Photo credits: Rip Rowan

Vor einigen Jahren habe ich Vanessa Peters schon einmal Live gesehen und es blieb ein etwas gespaltener Eindruck zurück. Vanessa Peters verwebt nachdenkliche, introspektive Texte mit eingängigen Melodien und veröffentlicht nunmehr seit mehr als einem Jahrzehnt ein Album nach dem anderen, stets mit gut gemachten meist folkig klingenden Rocksongs. Auch hat sie eine schon sehr viele Shows in den USA und Europa gespielt, sowie Konzerte für Künstler wie Josh Rouse, 10.000 Maniacs, John Oates, Matthew Sweet, Mikaela Davis und Lucette eröffnet. Peters’ neues und fünftes Album “Modern Age” nun präsentiert 11 Tracks mit energiegeladenem, gitarrengetriebenem Pop/Rock. Da die Aufnahmepläne durch die Pandemie 2020 durchkreuzt wurden, beschloss Vanessa stattdessen, auf einer Reihe von Demos aufzubauen, die sie während ihrer letzten Tournee in den Niederlanden und Deutschland aufgenommen hatte.  Vanessa und die Band verschanzten sich in einem Bauernhaus in Castiglion Fiorentino, der kleinen Stadt in Italien, die Peters einst ihr Zuhause genannt hatte. Im Laufe von zehn Tagen arbeitete die Band daran, die Songs fertigzustellen, die sie im Jahr zuvor begonnen hatten, und die neuen Songs in Angriff zu nehmen, die Vanessa in der Zwischenzeit geschrieben hatte. Das Vorgänger-Album “Foxhole Prayers” war ein zutiefst introspektives Album, ganz im Sinne dessen, was Kritiker und Fans von Peters erwarteten. “Modern Age” stellt diese Erwartungen allerdings auf den Kopf. Von den eröffnenden Power-Akkorden des von den Foo Fighters beeinflussten Titeltracks an ist es offensichtlich, dass dieses Album in eine neue Richtung geht: Die enge Zusammenarbeit mit ihrer Band brachte eine frische, raue Energie in diese Songs, die selten zuvor außerhalb von Peters’ Live-Shows aufgetaucht ist. Tracks wie “Crazymaker” sind reich an treibenden E-Gitarren und Drumbeats, während die eindringlichen, pulsierenden Keyboards und kantigen Gitarrenriffs auf “Hood Ornament” ein ganz neues Bild von Vanessa Peters aufzeigen. Doch trotz, oder vielleicht wegen, der schimmernden Pop-Rock-Verpackung, in die diese Songs gehüllt sind, schreckt Peters nicht davor zurück in ihren Texten ernsthaftere Töne anzuschlagen. Auf “Yes” ist sie regelrecht wütend und lässt eine Welle der Frustration darüber los, dass sie als “chick singer” abgeschrieben wurde. In “Make Up My Mind” ringt sie mit Unentschlossenheit und Selbstzweifeln und lässt dabei den Alternative Rock der 90er aufleben, während “Never Really Gone” eine balladige Version der Freude über die Entdeckung ist, dass man tatsächlich wieder nach Hause gehen kann.
War es mir danach sie nach der ersten Begegnung, Vanessa Peters in der Kategorie ‚gut gemachtes Americana abzulegen, zeigt mir “MODERN AGE” ihre ganze Bandbreite von Indie-Pop über Alt-Country bis hin zu experimentellem Folk und Singer/Songwriter-Rock der 70er Jahre. Mit “Modern Age” hat sie ein modernes/klassisches Rockalbum geschaffen, das einen gewissen Trotz und Eigenständigkeit offenbart. Inmitten eines wahrhaft dunklen Jahres haben sie und die Band ein Album eingespielt, das gleichzeitig kraftvoll und verspielt, intensiv und sensibel, wütend und hoffnungsvoll ist. Auf “Modern Age” schreibt und liefert Peters Songs von außergewöhnlicher lyrischer und musikalischer Kraft, die ihren Ruf unter der neuen Generation amerikanischer Songwriter weiter festigen und auch mich letztendlich von ihr überzeugen.

Videos:

Crazymaker: https://www.youtube.com/watch?v=EUJl0J6h2UY

Valley of Ashes: https://www.youtube.com/watch?v=9o1XY-2YdOA

Make up my Mind (Lyric Video) https://www.youtube.com/watch?v=DMTDBDBohyk

Modern Age: https://www.youtube.com/watch?v=VxPmqoMeJDE&t=3s

Weitere Infos:

https://vanessapeters.com/