Bild © Paul Maurer

Nach seinem Buch ‚Der Riss‘, welches das politische Ost-West-Gefälle unter die Lupe nahm, rückt Michael Kraske in ‚Tatworte‘ der AfD und ihrem rechtsextremen Umfeld mächtig auf die Pelle und das gnadenlos penibel sowie lückenlos recherchiert. Auch, wenn die AfD in Landtagswahlen derbe Verluste hinnehmen muss, teile ich Michaels Kraskes Sorge darum, dass die Gesellschaft zunehmend abstumpft und unsensibel für die Verrohung der rechtsextremen Bewegung wird.

Sowohl Inhalte als auch Sprache der Reden Alexander Gaulands, Andreas Kalbitz, Jörg Meuthens und Kameraden nehmen so unmissverständlich den Ductus der Nationalsozialisten an, dass wir zu Recht um unser Deutschland bangen müssen. Dies hat der demokratische teil der Gesellschaft jedenfalls gemein mit den Rechtsextremisten, auch wenn wir ein völlig anderes Deutschland meine. Während diese versuchen mit Rassismus, Geschichtsrevisionismus, Demokratieverachtung, Islamfeindlichkeit und Homophobie den Teil Deutschen an sich binden wollen, der sich auf die Werte ‚Leistung und Ehrlichkeit‘ beruft, ist die Gegenwehr der demokratischen Mehrheitsgesellschaft eher lahm. Zugegeben, der Mord an Walter Lübcke, hat tatsächlich etwas wacher gemacht, doch, dass der Bürgermeister Altonas sich gezwungen sah nach Drohungen der Rechtsextremisten, sein Amt niederzulegen, um seine Familie und Kinder zu schützen, macht doch etwas skeptisch. Wenn Björn Höcke uns die Zukunft unter AfD-Regierung mit ‚wohltemperierter Grausamkeit‘ beschreibt, ist der Rücktritt Andreas Hollsteins durchaus verständlich. Auch wenn die AfD-Politiker selbst nicht Hand anlegen bei der zunehmenden Gewalt aus dem rechtsextremen Spektrum, so sind es doch ihre Worte, die zu einer Radikalisierung durch Emotionalisierung und Emotionalisierung führen und das AfD-Volk zu Gewalttätigkeiten aufhetzt.  Mit unverhohlenem Hass gegen die vorherrschende Demokratie propagieren Kalbitz und Konsorten ihren Traum vom Deutschland vor 1945 und verkünden ein 1000jähriges Reich ihrerseits, in dem eine gnadenlose Wiederbelebung völkisch-nationalistischer Ideologien und eine Anknüpfung an deutsche Traditionslinien stattfinden würde. Damit würde der ‚Bevölkerungsaustausch‘ (Deutsche gegen Afrikaner) unverzüglich beendet. Doch, es sind nicht nur AfD-Politiker, die sich entschlossen, nationalbewusst geben. Söder und Seehofer (beide CSU) und Lindner (FDP) mögen es offenbar auch nicht weltoffen und bunt. Das Land ist gespalten. Was alle eint, ist die Angst um Deutschlands Zukunft. Die kann allerdings nicht gemeinsam stattfinden, so unterschiedlich die Visionen, ja diametral entgegengesetzt sind, und um es mit Karl Popper auszudrücken, der propagierte ‚Keine Toleranz für Intoleranz‘, ist festzustellen, die AfD ist die Intoleranz par excellence!

Ullstein Taschenbuch

Hardcover

160 Seiten, 14,- €

ISBN: 9783548064420

Michael Kraske, geboren 1972, ist Journalist und Autor von Sachbüchern sowie Romanen und lebt in Leipzig. Er schreibt Reportagen und Porträts und interviewt für die ZEIT, SPON, MDR, National Geographic. Außerdem ist er Radio- und TV-Experte für WDR, MDR, Bayerischer Rundfunk, Deutschlandfunk und Phoenix.