Bild © Matt Crockett

“Ich wusste immer, dass Gott die Völker der Erde in Verdammte und Gerettete unterteilen wollte. Aber sicher hätte niemand erwartet, dass er dabei ein Scheißlineal benutzt.“ Murrays Debüt ‚The Last Day‘ liest sich nicht wirklich wie das Buch eines Debütanten, sondern eher wie das Werk eines allen Fuchses. Well done! Der dystopische Inhalt hat zumindest hinsichtlich der aktuellen politischen Lage einen ziemlich zeitgenössischen Charakter.

Seit dem Jahr 2020 verlangsamt sich die Geschwindigkeit der Erdumdrehung. Nach hektischen Forschungen stellt die Wissenschaft fest, dass ein sehr dichter Planet am Rande der Milchstraße dafür die Ursache ist. Nach einem circa vierjährigem ‚Slow# steht die Erde endgültig still. Von da an gibt es nur noch wenige bewohnbare Regionen, auf denen Ackerbau und Viehzucht betrieben werden kann und ein Überleben der Menschen dort gewährleistet. Während fast ganz Amerika zur ‚Dark Side of the Earth‘ gehört, liegt Großbritannien in einer habitablen Zone. Eine riesige Flüchtlingswelle droht die Briten zu überschwemmen. Der machthungrige ‚Davenport‘ setzt sich an die Spitze der orientierungslosen Regierung und verwandelt das Land binnen weniger Jahre in eine grausame, blutige Diktatur, die von Angst und Hunger beherrscht wird. Zwar gelingt es ihm, das Land wieder wirtschaftlich auf die Beine zu stellen, doch der Preis dafür ist gewaltig. Da die digitale Welt zusammenbricht müssen Ackerbau und Viehzucht wieder fast mittelalterlich betrieben werden. Er setzt die Flüchtlinge als Sklavenarbeiter für die Kornkammern der Insel ein und lässt unzählige Flüchtlingsboote samt Insassen in der Meerenge vor der Insel in die Luft sprengen, um sie als Barriere gegen weitere Boote zu nutzen. Im Süden des Landes hat er einer begrenzten Anzahl Amerikanern erlaubt, eine Kolonie zu errichten. Sein Ziel ist die Weltherrschaft, doch dafür braucht er nun mal Amerikas stärkste Waffe – die Atombombe. Ellen Hopper ist Meeresbiologin. Sie arbeitet auf einer Plattform im Nordatlantik und erforscht die neuen Meeresströmungen. Eines Tages wird sie von zur inneren Sicherheit gehörendem Personal abgeholt und nach London gebracht. Ihr Mentor und ehemaliger Professor Edward Throne liege im Sterben und sein letzter Wille sei es, sie noch einmal zu sehen. Nach seinem Tod ist Ellen klar, dass Throne ihr ein dunkles Geheimnis hinterlassen hat und es ihre Aufgabe ist, dieses zu ergründen.

Piper Verlag

448 Seiten, 17,- €

Übersetzt von: Michaela Link

EAN 978-3-492-70584-4

Andrew Hunter Murray ist Schriftsteller und Comedian. Er recherchiert und schreibt seit zehn Jahren für die BBC-Show QI, ist Co-Moderator des dazugehörigen Podcasts. Zudem schreibt er Witze für Comedians, journalistische Texte für das Magazin „The Private Eye“, für welches er auch den zugehörigen Podcast macht. In seiner Freizeit tritt er mit der Stand-up-Comedy-Gruppe „Austentacious“ auf. „The Last Day“ ist sein erster Roman.