Wirklich nichts für schwache Nerven! Tremayne schafft es in seinem Thriller ’Die Stimme‘ einen geradezu schmerzhaften Spannungsbogen zu weben. Die bizarre Winterkulisse des heutigen Camden-Town, verbunden mit diversen Geschichtsausfügen ins 19. Jahrhundert, erzeugen einen perfekten Grusel.

Jo Ferguson, eine quirlige, freischaffende Journalistin, ist ein moderner Freigeist. Nach der Scheidung von ihrem Mann Simon, IT-Spezialist, ist ihr Leben ein klein wenig aus den Fugen geraten. Nach einem Artikel, den sie für eine angesagte Tageszeitung schrieb, hat sie sich in ihrem technik-affinen Freundeskreis den ein oder anderen zum feind gemacht. Sie kritisiert darin die gefährliche Abhängigkeit von und die Überwachung durch KI’s. Beruflich läuft es aktuell nicht so gut bei Jo. Ihre beste und sehr wohlhabende Freundin Tabitha überlässt ihr daher sehr großzügig ihre Luxuswohnung in Camden-Town (London). Dankbar nimmt Jo das Angebot an. Doch bis auf das Bad sind alle Räume mit dem Home-Assistenten „Electra“ ausgestattet. Mit Argusaugen wacht „Electra“ über diese Wohnung. Jo ist davon genervt, doch sie nimmt es zähneknirschend hin. Eines Tages jedoch beginnt der Home-Assistent über ein Ereignis zu plaudern, von dem nur Tabitha und ihr ex-Mann Kenntnis haben. Es geht um den Tod eines jungen Mannes, an dem Jo und Tabitha nicht ganz unschuldig sind. Jo versucht sich durch ihre Arbeit abzulenken. Sie schreibt an einem Artikel über die Geschichte Camdens und die Lyrikerin Sylvia Plath, die wenige Straßen von ihr entfernt Selbstmord beging. Doch der Electra-Terror nimmt kein Ende. Licht, Heizung, Musik werden unkontrolliert eingesetzt und verändert. Tabitha, mit der sie über Electras Verhalten spricht, zweifelt an ihrer Wahrnehmung. Jo’s Vater litt an Schizophrenie. Als sie 11 Jahre alt war, nahm er sich das Leben. Daher schließt sie die Möglichkeit nicht aus, diese Krankheit geerbt zu haben. Ihr Tabletten und Alkoholkonsum steigert sich. Von ihrem Server aus werden freunde und enge Verwandte mit Hassmails bombardiert. Unter den Mails steht ihr Name. Ihre Konten werden leergeräumt und Electra fordert sie immer wieder eindringlich auf, sich das Leben zu nehmen. Trotz all ihrer Selbstzweifel rafft Jo sich auf und geht den Dingen auf den Grund. Schon bald ist sie davon überzeugt, dass es jemanden aus ihrem Freundeskreis geben muss, der sie so sehr hasst, dass er all dies inszeniert. Doch woher kommt der Hass?

Verlag: Knaur HC

400 Seiten, 16, 99 €

ISBN: 978-3-426-22738-1

Übersetzt von: Susanne Wallbaum

S.K. Tremayne wurde in Devon geboren und lebt heute in London. Sein ursprünglicher Beruf als Reisejournalist bringt es mit sich, dass er die Schauplätze seiner Romane bestens kennt. Ihm gefällt es dort, wo normale Orte plötzlich bedrohlich werden – und wo das Unheimliche ins Leben normaler Menschen tritt. Sein erster Thriller Eisige Schwestern wurde sofort zum Bestseller. Heute werden seine Bücher in dreißig Sprachen übersetzt.