Vorweg, für all diejenigen, die sich von diesem großartigen Werk ihre Verschwörungstheorien bezüglich der Freimaurer bestätigen lassen möchten, sie werden enttäuscht sein. Trotz der tief- und weitreichenden Recherche sind seine Ergebnisse ernüchternd und sachlich. Dickies scharfes Auge deckt jedoch Erkenntnisse und Dinge auf, deren Zusammenhänge ich nicht mit der Geschichte der Freimaurer in Verbindung gebracht hätte, Hochspannung pur.

John Dickie geht dem Mythos, der um di Freimaurer rankt, auf den Grund, sofern es die Quellen zulassen, diesen zu sehen. So variieren zum Beispiel die Angaben zum Ursprung der Freimaurer von Loge zu Loge. Der Tempel Salomons, der Rosenkreuzorden, die Tempelritter und natürlich die Kreuzritter finden Erwähnung. Fest steht zumindest, dass die ersten Logen im 16. Jahrhundert in England und Schottland gegründet wurden. Der Gründungsgrund dieser Logen resultierte zumeist aus den wirtschaftlichen Interessen der damaligen Steinmetze und Maurer. Die Zugehörigkeit zu den Freimaurern bedeutete soziale Sicherheit für sie. Den ersten Logen gehärten Männer unterschiedlicher Gesellschaftsschichten an und weder Religion noch gesellschaftlicher Status sollte eine Rolle spielen. Sie waren Brüder auf Augenhöhe. Philanthropie, Kameradschaft, Ethik und Spiritualität gehörten zu den Themen, die in den Logen behandelt wurden. Vorbilder wie Hermes Trismegistos, der im antiken Griechenland die geometrischen Maurerregeln wiederentdeckte oder wie Euklid mit den Wurzeln der Mathematik. Dies alles verweist auf die eigentlichen Ursprünge der Steinmetzgilde. Anlass zum Misstrauen säten die Freimaurer selbst, denn ihren Mitgliedern oblag von Anbeginn die allumfassende Verschwiegenheit zu Ritualen und Zeichen. Diese Geheimniskrämerei ist der Schlüssel zur Geschichte der Freimaurer. Dabei erschien bereits 1723 ‚The Book of Constitution‘ in dem die meisten der Mythen offengelegt wurden. 1738 verbreiteten sich die Freimaurer dann in rasantem Tempo weltweit. Im 10. Jahrhundert werden die Freimaurer in den USA zur Staatsreligion. Nicht weniger als 14 Präsidenten gehörten ihnen an. Der katholischen Kirche waren und sind die Freimaurer ein Dorn im Auge. Abbe Barruel warf ihnen vor, die französische Revolution angezettelt und im Kleinsten organisiert zu haben. Der Antimasonismus von Seiten Roms ist immer noch allgegenwärtig. Katholiken, die Mitglied einer freimaurerischen Vereinigung sind, werden aucch heute noch exkommuniziert – Dank Ratzinger. Das Buch ist wahrlich eine spannende Reise durch die Geschichte mit all ihren Abwegen, Irrfahrten und Verleumdungen, die diese Bewegung während der letzten 500 Jahre erlebt hat.

Verlag: S. FISCHER

560 Seiten,

ISBN: 978-3-10-397335-8

Übersetzt von: Irmengard Gabler

John Dickie ist Historiker und Journalist. Er lehrt Romanistik am University College in London und hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte und Kultur Italiens verfasst. Sein Buch »Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia« war ein internationaler Bestseller. 2005 wurde er vom Staatspräsidenten der Italienischen Republik zum »Commendatore dell´Ordine della Stella della Solidarietà Italiana« ernannt.