Tiefgründig, sensibel, reich an Metaphern und in einer Sprache, die entrückt, als sei sie nicht aus dieser Welt. Der Wald ist ein literarisches Meisterwerk, dass sich liest wie die intensive Betrachtung schöner Kunst, begleitet von der Musik historischer Meister.

Warschau im zweiten Weltkrieg. Polen ist besetzt von grobschlächtigen deutschen Wehrmachtssoldaten, die das polnische Volk drangsalieren und Juden in Ghettos zusammenpferchen. Es herrscht Hunger und Angst. Pawel ist ein verträumter, wissbegieriger, kleiner Junge. Seine Mutter ist Musikerin, sein Vater Lehrer und die Großmutter Ärztin. Die Familie ist betucht. Sie besitzt ein großes Haus mit Bediensteten und gehört zur intellektuellen Schicht. Doch der Krieg verändert alles. Der Vater schließt sich dem Widerstand an. Eines Tages bringt er einen britischen Soldaten ins Haus. Er ist sehr schwer verletzt. Die Großmutter versorgt ihn und der Engländer überlebt. Doch er ist noch zu schwach, um das Haus zu verlassen. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, seinen Aufenthalt in ihrem Haus zu verbergen, wird er von NS-Soldaten entdeckt. Sie verhaften nicht nur den Soldaten, sondern auch Pawels Großmutter und seine Tante. Zophia, Pawels Mutter und er fliehen mitten in der Nacht in den Wald zu einer schrulligen alten Frau, die ihnen eine Scheune zur Verfügung stellt, die sie sich mit einem Pferd teilen. Es ist tiefster Winter und bitterkalt. Während Pawel sich mit der Situation arrangiert und sich von Baba, der schrulligen Alten, über den Wald, die Fauna und deren Geister unterrichten lässt, versinkt Zophia in tiefste Lethargie. Sie hat alles verloren. Mutter, Schwester und das Haus. Ihr Mann Karol besucht sie ab und zu. Die Entfremdung nimmt stetig zu. Vor allem zwischen Vater und Sohn. Pawel ist so gar nicht, wie ihn sich der Widerstandskämpfer vorstellt. Sensibel, weich, verträumt und kein bisschen männlich. Nach dem Krieg trennt sich Zophia von Karol. Sie zieht mit Pawel, der zu Paul wird, nach London. Paul kommt in ein Internat und Zophia lernt einen Mann kennen. Sie heiraten. Paul studiert Design und richtet erfolgreich Bühnen und Kostüme an bekannten Londoner Theatern aus. Paul ist schwul und zieht mit seinem Freund aufs Land in ein Haus, das sehr an ihr Warschauer Haus erinnert. Den garten bearbeitet er so, wie Baba es ihm beigebracht hat. Paul ist glücklich. Während eines Besuchs von Zophia traut sich Paul endlich, sich zu outen. Für Zophia bricht eine Welt zusammen. So sehr hatte sie sich Enkelkinder gewünscht. Während Paul tief verletzt von Zophias Reaktion ist und keinen Ausweg sieht, die Beziehung zu seiner Mutter zu kitten, leistet sein Freund ganze Arbeit.

Eisele Verlag

400 Seiten, 12, – €

Aus dem Englischen übersetzt von Wibke Kuhn.

ISBN: 9783961610808

Nell Leyshons erster Roman, Black Dirt, stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Im Eisele Verlag erschien zuletzt mit großem Erfolg bei Presse und Publikum Die Farbe von Milch, ihr zweiter Roman, für den sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert war. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.