Dies ist mit Abstand der anspruchsvollste Horrorthriller, den ich bisher gelesen habe. Temporeich und dicht in der Struktur vor den Kulissen alter Mayastätten jagt Thomas Finn uns in ‚Bermuda‘ durch Ereignisse junger und alter Historien. Ganz große literarische Kunst.

Alex Kirchner, ein junger Biologe, ist mit seinem besten Freund Jochen auf der ‚Sea Quest‘, einem Kreuzfahrtschiff, unterwegs, als dieses im Bermuda-Dreieck von einem außergewöhnlichen Unwetter zum Kentern gebracht wird. Alex ist einer von zwölf Überlebenden, die unweit der gekenterten ‚Sea Quest‘ an das Ufer einer Insel gespült werden. Zahlreiche Leichen säumen den Strand. Die Gruppe der Überlebenden ist wild gemischt aus Asiaten, Amerikanern und Europäern, sowie einer Mexikanerin, namens Itzil, einer Nachfahrin der Mayas. Sehr schnell entwickelt sich eine unschöne Gruppendynamik, in der die Amerikaner, trotz der dramatischen Lage, ihren, von Trump ausgelösten, Rassismus zur Schau stellen. Die tropische Insel würde rein optisch geradezu paradiesisch anmuten, weiße Strände, grüner Dschungel in einer traumhaften bergigen Landschaft, wären da nicht die merkwürdigen Geräusche und Geschehnisse, von denen die Gruppe in den Nächten begleitet wird. Grollend zirpende Klänge, die nicht nur von dem auf der Insel befindlichen Vulkan kommen können, begleitet von geometrisch anmutenden Lichtspielen, irritieren die Gruppe zutiefst. Doch am meisten beängstigen sie die menschenähnlichen Wesen, , die nicht nur ein monsterähnliches Aussehen besitzen, sondern es offenbar auf sie abgesehen haben. Die am Strand liegenden Toten wurden bereits von ihnen verschleppt. Trotz aller Widrigkeiten ist die Gruppe, um zu überleben, auf Süßwasser angewiesen. Alex, Itzil und Jordan machen sich daher auf die Suche nach Süßwasserquellen und machen dabei erstaunliche Entdeckungen. Wracks und Behausungen von Militärs aus dem zweiten Weltkrieg, aber auch ein mittelalterliches Schiffswrack. Doch am meisten Erstaunen bereiten mehrere aufwendig installierte Kultstätten der Mayas, die sich zu ihrer Zeit offenbar mit dem alten, dort lebenden, indigenen Stamm der Taíno verbündet haben. Alex stellt fest, dass viele der Tiere, die auf der Insel leben, als ausgestorben gelten. Die gewalttätigen, menschenähnlichen gestalten jedoch geben ihm Rätsel auf. Sie besitzen krallenähnliche, dreigliedrige Endglieder, was in der Biologie der erde völlig unbekannt ist. Unterwegs stoßen sie auf einen weiteren Schiffsbrüchigen. Ricardo, einen schwerreichen Brasilianer, der vorgibt, mit seiner Privatjacht gekentert zu sein. Er schließt sich der Gruppe an. Während der Inselerkundung stoßen sie immerzu auf Maya-Kunst, deren kulturelle Bedeutung Itzil gekonnt erklären kann. Die Gruppe dezimiert sich deutlich. Sie wird Opfer der zahlreichen Widrigkeiten der Insel. In einem Maya-Tempel beachtlichen Ausmaßes stößt der kleine Rest der Gruppe auf die Erklärung all dieser Seltsamkeiten, die jedoch unvorstellbare Ausmaße offenbart.

Knaur HC

528 Seiten, 14,99 €

ISBN: 978-3-426-22719-0

Thomas Finn, geboren 1967 in Evanston/Chicago, studierte Volkswirtschaft und war nebenbei als Journalist und Autor für diverse deutsche Verlage und Magazine tätig, u.a. als Chefredakteur für das Magazin Nautilus. Seit 2001 arbeitet er als Roman-, Spiele- und Drehbuchautor. Er ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit der Segeberger Feder. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Mehr unter: www.thomas-finn.de