© Lene J. Løkkhaug

Was für ein einzigartiges Debüt! Kraftvoll in der Form und ungeheuer sensibel im Umgang mit den Inhalten. Ich bin froh, dass uns Camilla Bruce ihren ‚Pepper-Man‘ nicht vorenthalten hat, den er war für den Papierkorb vorgesehen – kaum zu glauben.

Cassie wächst als Älteste von drei Kindern in einer Kleinstadt in Amerika auf. Augenscheinlich ist sie wohlbehütet. Die Eltern sind wohlhabend und die Mutter legt sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten. Doch Cassie empfindet ihr großes, weißes Zimmer als Gefängnis. Schon als kleines Kind flieht sie davor in den nahen gelegenen Wald. Dort lernt sie ein vogelscheuchenartiges Geschöpf kennen. Er stammt aus einer Feensiedlung, die in einen Hügel ganz in der Nähe, unbemerkt von den Menschen, existiert und das schon seit langer Zeit. Sie nennt ihn Pepper-Man, wegen seines Geruchs. Pepper-Mans Äußeres ist zwar sehr gruselig, doch er ist sehr lieb zu ihr, macht ihr Geschenke aus den Dingen, die im Wald wachsen und er beschützt sie. Doch der Preis, den Cassie dafür bezahlt ist hoch, denn er trinkt ihr Blut. Alle Feen der Hügelsiedlung brauchen einen Wirt, um ihre Schattenexistenz zu erhalten. Als sie 5 Jahre alt ist erzählt Cassie ihrer Mutter von Pepper-Man. Sie glaubt ihr nicht und ist sehr böse über ihr ungepflegtes Erscheinungsbild. Pepper-Mans Geschenke landen in der Tonne, weil die Mutter diese nicht in ihrem Haus haben mag. Als Cassies verhalten der Familie, aber besonders der Mutter gegenüber, immer aufsässiger wird, beschließt die Mutter, sie in psychiatrische Behandlung zu geben. Dr. Martin ist fasziniert von Cassies Krankheitsbild und bescheinigt ihr eine Trauma induzierte Psychose, die durch jahrelangen sexuellen Missbrauch durch ihren Vater ausgelöst sei. Als sie mit 14 Jahren schwanger wird, organisiert ihre Eltern eine anonyme Abtreibung. Doch in Cassies Wahrnehmung bekommt sie das Kind im Feenhügel. Sie nennt es Mara. Es wächst von den Feen liebevoll behütet auf und Cassie besucht es so oft sie kann. Als Dr. Martin ein Buch über Cassies Fall veröffentlicht, ist der Ruf der Familie Thorn dahin. Sie brechen mit Cassie. Pepper-Man ist nach wie vor an ihrer Seite. Als sie 18 Jahre alt ist, verliebt sie sich in Tommy Tipp, ein gut aussehender Weiberheld. Cassie tötet ihn aus Versehen. Damit dies für sie keine Folgen hat, schlüpft Pepper-Man in seine Hülle. Doch die Hülle ist vergänglich. Nach 12 Jahren ist sie für Pepper-Man unbewohnbar geworden. Cassie bringt die Reste Tommy Tipps in den Wald, wo sie gefunden werden und Cassie wird wegen Mordes angeklagt. Doch Dr. Martin sorgt dafür, dass sie freigesprochen wird. Am Ende ihres Lebens hinterlässt sie ihrer Nichte und ihrem Neffen ihre Lebensgeschichte und ihr Vermögen. Denn nach der Gerichtsverhandlung mausert sich Cassie zu einer gefragten Autorin. Ihre Geschichten bekommt sie von den Feen, die ihr Kräuter und Samen in Einmachgläsern aus dem Wald bringen. Daraus braut sie Tee. Aus jedem Einmachglas fällt eine neue Geschichte. Doch auch ohne Cassies Zutun reißen die Tragödien in der Familie Thorn nicht ab.

Verlag: Knaur TB

256 Seiten, 12,99 €

ISBN: 978-3-426-52432-9

Übersetzt von: Carina Schnell

Camilla Bruce ist eine norwegische Schriftstellerin, die mehrere Kurzgeschichten und Novellen veröffentlicht hat, einschließlich einer Aufnahme in die Interfictions 2 Anthologie (Small Beer Press/Interstitial Arts Foundation) im Jahr 2009. Sie arbeitet auch als Redakteurin bei Belladonna Publishing (BelladonnaPublishing.com). “Pepper-Man” ist ihr Debütroman.