Autorenfoto: © R. Gershinson.

‚Der Mensch ist ein Herdentier. Wir suchen die Nähe von Menschen, die uns ähnlich sind. Heutzutage geht das am einfachsten online.‘ Auch, wenn die Geschichte John Marrs in die nahe Zukunft platziert ist, so liest sich „The Passengers“ leider wie eine zeitgenössische Darstellung. Geschickt und unaufgeregt hält Marrs der entmenschlichten Gesellschaft den Spiegel entgegen und der zeigt eine böse Fratze. Einfach perfekt, sogar das äußere Erscheinungsbild des Buches wird dem Inhalt symbiotisch gerecht!

England in naher Zukunft. Die englische Regierung hat beschlossen, den Straßenverkehr auf selbstfahrende Fahrzeuge umzurüsten. Diese seien sicherer, vermeiden wegen der Vernetzung Staus und sind effektiver, vor allem auch bequem. Das Modell Nr. 5 soll, so plant es das Verkehrsministerium den Verkehr beherrschen. Doch leider zieren zahlreiche Unfälle mit Todesfolge. Tatsächlich ist es bisher in keinem der Fälle gelungen, dem Hersteller eine Schuld nahzuweisen. Denn über die Schuldfrage entscheidet eine Kommission, die monatlich einberufen wird, um darüber zu entscheiden, wo bei Unfällen mit Todesfolge die Ursache liegt. Den Vorsitz dieser Kommission hat der Verkehrsminister und Parlamentsabgeordnete Jack Larrson persönlich. Manipulativ, geldgierig, kaltschnäuzig und arrogant nötigt er immer wieder den Rest der Kommission in der Schuldfrage zu seinen Gunsten zu entscheiden, denn das Projekt ist sein ganz persönliches Baby. Eines der Kommissionsmitglieder, so schreibt es die Satzung vor, muss ein durch das Zufallsprinzip erwähltes Mitglied der Gesellschaft sein. Die aktuelle Monatskommission wird ausgerechnet durch Libby ergänzt. Libby ist eine junge, kluge und kritische Frau, die den selbstfahrenden Autos der 5er-Klasse sehr misstrauisch und ablehnend gegenübersteht. Sie war selbst Zeugin eines tödlichen Unfalls mit diesen Autos, bei dem drei Menschen ihr Leben verloren. Während der Kommissionssitzung kommt es zu einem Showdown unvorstellbaren Ausmaßes. Ein Hacker hat das System gekapert und acht Menschen in ihren selbstfahrenden Autos entführt. Er teilt den Entführten mit, dass sie in ungefähr zweieinhalb Stunden sterben werden, da sich die acht Autos im Kollisionskurs aufeinander zubewegen.  Die Autos seien mit Sprengstoff präpariert, er würde sie in die Luft sprengen, wenn ihm jemand in die Quere kommt. Die vermeintlich letzten Stunden der Opfer werden von den in den Autos installierten Kameras gefilmt und live ins Netz übertragen. Aber auch die Kommission wird zugeschaltet. Denn der Hacker macht ein großzügiges Angebot. Einer/Eine wird überleben. Wer dies sein wird, macht er vom Votum der Kommission abhängig. Doch auch der Mob im Internet hat eine Stimme.

Heyne Verlag

Paperback

496 Seiten, 14,99 €

ISBN: 978-3-453-32072-7

John Marrs arbeitete über zwanzig Jahre als freischaffender Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Mit seinem Roman »The One« gelang ihm in England der Durchbruch, eine Verfilmung durch Netflix ist bereits in Vorbereitung. Der Autor lebt und arbeitet in London.