‚Nachdem die Bundeswehr Frauen zum Dienst an der Waffe zugelassen hatte, blieb als Männerschutzverein nur noch der Vatikan, die Müllabfuhr und der Wedding.‘ Wer ein Buch mit dem Titel ‚Die frau mit den zwei Gesichtern‘ in die Hand nimmt und auf dem Cover steht auch noch Roman, erwartet sicherlich eher etwas Triviales. Doch wie gefehlt, ich versichere Euch, das Cover ist ein gemeiner Fake. ‚Hintergründe zu Berliner Clan-Kriegen‘ oder ‚Absurder Berliner Polit-Thriller‘ als Titel hätten den Inhalt wesentlich treffender beschrieben. Wobei, der Inhalt wirkt zwar partiell absurd komisch, trifft aber die Wirklichkeit genau. Uwe Wilhelm zeigt in diesem Buch auf grandiose, illustre und vor allem identische Weise auf, welchen Einfluss marode Stadtpolitik auf Innere Sicherheit, Infrastruktur, Einwanderung, Bildung und Inklusion haben kann.

Noa Stern ist Jüdin, sie floh mit ihrer Ziehmutter und ihrer Tochter aus Beirut, nicht etwa wegen des Krieges, sondern weil sie ihrem Ehemann in den Kopf schoss. Ihr Mann war Moslem und wollte ihre gemeinsame Tochter nach Muslimischer Sitte beschneiden lassen. Sie fliehen also nach Berlin. Dort gründet Noa ihre eigene kleine Ich-AG. Sie wird Bodyguard für Frauen, die In Schwierigkeiten geraten und -zumeist – von gewalttätigen Ehemännern bedroht werden. Und je nach dem Inhlt der Geldbörse ihrer Klientinnen auch schon einmal umsonst. Noa ist, nicht nur gezeichnet vom Krieg im Libanon, sondern auch durch familiäre Auseinandersetzungen der eigenen jüdischen Ursprungsfamilie mit der muslimischen Familie ihres Mannes, zur knallharten, der Wahrheit zugewandten, Amazone mutiert. In Berlin hat sich die Qualität ihrer Arbeit sehr schnell herumgesprochen, Doch nichts liegt ihr mehr am Herzen als der Schutz ihrer Tochter und ihrer Ziehmutter. Eines Tages steht ein junges Mädchen in ihrem Büro. Sie ist gezeichnet von Gewalt. Ihr Vater ist das Oberhaupt des einflussreichsten Berliner Clans. Sie ist Muslima. Für Noa ist es, als würden die Horrorfiguren aus Beirut wieder auferstehen und doch versucht sie das Mädchen zu schützen. Der Preis, den sie dafür zahlen soll, ist eindeutig zu hoch. Daher führt sie auf recht unkonventionelle Art einen erbitterten Kampf um die Rechte der Frau und gegen die Konventionen von Religion.

Eines der besten Bücher, das ich über die aktuelle Szene in Berlin gelesen habe.

Taschenbuch, Blanvalet

400 Seiten, 10,- €

ISBN: 978-3-7341-0701-6

Uwe Wilhelm, geboren 1957, hat mehr als 120 Drehbücher unter anderem für Bernd Eichinger, Katja von Garnier und Til Schweiger verfasst, darunter Tatort und Polizeiruf, die Kinofilme Bandits, Gebrüder Sass und Friendship, sowie Theaterstücke, u.a. Fritz! (über Friedrich den Großen). Nach einem Schicksalsschlag ist Wilhelm mehrere Monate durch Amerika, Indien, Tansania und Israel gereist und hat begonnen zu schreiben. Die sieben Farben des Blutes ist der erste Teil der spannenden Trilogie um die heldenhafte Staatsanwältin Helena Faber. Unter dem Pseudonym Lucas Grimm sind die Thriller Nach dem Schmerz und In den Tod erschienen. Zusammen mit Sven Felix Kellerhof und Martin Lutz hat er unter dem Pseudonym Lutz Wilhelm Kellerhoff die 60er-Jahre-Kriminalromane Die Tote im Wannsee und Teufelsberg verfasst. Sein neuestes Werk Die Frau mit den zwei Gesichtern erzählt die aufregende Geschichte eines weiblichen Bodyguards im heutigen Berlin.

www.uwewilhelm.de