Fotos: © Take a Pic[k]

Sphärisch einfühlsam und reich an Metaphern kommt Christoph Heidens Thriller-Debüt daher. Sowohl inhaltlich als auch strukturell gibt es da gar nichts zu mäkeln Und inhaltlich weiß er wahrlich zu begeistern.

Das Brandenburger Volk ist schon eine Spezies für sich. Je geringer die Einwohnerzahl der Örtlichkeit, umso verschworener wird die Gemeinde. Gollwitz gehört zu diesen Verschworenen, dieser kleine Ort dient Christoph Heiden als Kulisse seiner Geschichte und er macht daraus eine mächtige Bühne.

20 Jahre ist es her, dass Anna ihre Familie verlor. Sie kamen bei einem Brand in ihrem Haus ums Leben. Anna war 12 Jahre alt und die einzige Überlebende. Trotz der Fürsorge, die sie in der Familie ihres Onkels erfuhr, ist Anna auch nach so vielen Jahren traumatisiert von der Brandnacht. Sie hat Gollwitz den Rücken gekehrt, lebt in Berlin und arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Jugendclub, als sie einen Drohbrief erhält. Der Unbekannte teilt ihr mit, er wolle die Familie ihres Onkels abfackeln. Der Brand in ihrem Elternhaus vor 20 Jahren war ja Teil einer Serie von Brandstiftungen. Der Täter wurde damals gefasst und in die Psychiatrie eingewiesen. Er war ein Freund ihres verstorbenen Bruders. Zwar ist ihr Kontakt zu den Gollwitzer Verwandten eher spärlich, doch da es bereits der fünfte Drohbrief ist, der sie während der letzten Jahre erreicht, beschließt sie, nach Gollwitz zu fahren, um die Familie zu informieren. Der Ort hat sich auf den ersten Blick nicht verändert. Und doch wurde eine Besonderheit entdeckt. Seit er zum dunkelsten Ort weit und breit deklariert wurde, gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl von Touristen. Es sind Sternengucker, die der Ort anzieht. Auch Annas Verwandte profitieren davon. Sie betreiben erfolgreich eine Pension im Ort. Ihr plötzliches Erscheinen löst doch eher Entsetzen bei ihrer Ziehfamilie aus. Denn, und davon weiß Anna nichts, ist der vermeintliche Mörder ihrer Familie, am Tag ihres Erscheinens aus der Psychiatrie entlassen worden. Die Luft in Gollwitz scheint deshalb angespannt zu flirren. Ausgerechnet ein pensionierter und ziemlich heruntergekommener Polizist, der den Fall damals bearbeitete, behauptet, er wissen nun, dass der aus der Psychiatrie entlassene Feuerteufel, tatsächlich der Mörder ihrer Familie sei. Er habe nun Beweise, die ihn überführen, denn er hat die tat nie gestanden. Gemeinsam mit dem Trunkenbold von Ex-Bulle ermittelt Anna um die Geschehnisse in der Ortschaft Gollwitz vor 20 Jahren und findet Erstaunliches heraus.

GMEINER-Verlag

Paperback

344 Seiten, 15, – €

ISBN 978-3-8392-2644-5

Christoph Heiden ist in Berlin-Lichtenberg geboren. Er verpasste es, einen ordentlichen Abschluss zu machen, und arbeitete in verschiedenen Aushilfsjobs – Küchenkraft, Baumpfleger, in einer Videothek, im Tierpark, als Kanu-Verleiher, zuletzt in der Holzwerkstatt eines Jugendklubs. Neben Kriminalromanen schrieb er das Theaterstück »Vergraben«, das in Weimar aufgeführt wurde, und adaptierte Safran Foers »Tiere essen« für die Bühne. Christoph Heiden lebt noch immer in Lichtenberg und schreibt unbeirrt weiter.
Webseite: christophheiden.com
Instagram: instagram.com/christoph_heiden