‚Das mit dem Glauben wird doch sehr überschätzt. Im Grunde geht es immer nur um Politik, die Religion ist lediglich ein Mittel, sie durchzusetzen.‘

Oliver Pötsch hatte wohl bei der Themenwahl ein goldenes Händchen. Denn zu Zeiten der Corona-Pandemie ist der Inhalt dieses Buches fast schon brandaktuell zu nennen und wird durch Plötzschs unnachahmlichen, leidenschaftlichen Stil zum Hochgenuss.

Wir schreiben das Jahr 1679. Familie Kuisle trifft sich in Schöngau zu einem zünftigen Fest. Doch einer fehlt. Der 16-jährige Peter muss Kronprinz Max Emmanuel, den Anwärter auf den Thron der Wittelsbacher, nach Wien begleiten. Er erhält den Auftrag eine wichtige, geheime Botschaft zu überbringen. Peter freut sich, doch noch an der Feier teilnehmen zu können, da Schöngau in der Nähe liegt. Kurz nach Peters Abreise bricht in Wien die Pest aus. Auf dem Weg nach Kaufbeuren, gerät e in einen pestverseuchten Ort und wird dort festgehalten. Soldaten riegeln den Ort ab. Peter nutzt die Zeit während der Pflege zweier erkrankter Kinder, um Erkenntnisse über die große Seuche zu erlangen, die seit langer Zeit immer wieder über die Menschen hereinbricht. Sein Vater, ein anerkannter Münchener Arzt, seine Mutter und nicht zuletzt sein Großvater, der Henker von Schöngau, sind besorgt, als Peter nicht zur Feier erscheint. Um mehr über seinen Verbleib zu erfahren reisen sie nach Kaufbeuren und treffen bei ihren Recherchen auf großen Widerstand. Auch dort scheint die Pest zu grassieren, jedoch auf untypische Art und Weise. Die Opfer sind vor allem Stadtratsmitglieder. Erbittert kämpft die Familie um die Wahrheit zu dem kuriosen Pestverlauf in Kaufbeuren. Als dann Peter, schwer von der pest gezeichnet, endlich dort ankommt, überschlagen sich die Ereignisse sowohl in Kaufbeuren als auch in Schöngau. Der schwelende Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken bricht erneut im Volk durch, wobei jeder den anderen für den Ausbruch der pest verantwortlich macht. Doch Kuisles erbarmungslose Hartnäckigkeit entwirrt jeden Filz, auch den in Kaufbeuren.

Historischer Roman

Ullstein Taschenbuch

736 Seiten, 10,99 €

ISBN: 9783548291963

Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der “Henkerstochter”-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.