Heilige Scheisse! Bin ich froh, dass die Pharmaindustrie aktuell wegen Engpässen (Corona) aus China nicht so liefern kann, wie sie möchte. Beissend ironisch beschreibt Christoph Höthker unsere sehr nahe Zukunft und lässt dabei kein Klischee aus. West- und Ostdeutsche aber vor allem die Amerikaner kriegen hier ihr Fett weg.

Marazepan, so heißt das Allheilmittel aus Amerika. Die rettende Pille für und gegen alle erdenklichen Beschwerden und Rauschzustände. Während der amerikanische Markt bereits reichlich mit diesen pillen geflutet wird, steckt der Umsatz in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Winston Pharmaceutics, der Hersteller Marazepans, hat den unscheinbaren Ort Ebratal in Nordhessen dazu auserkoren, sitz seiner deutschen Niederlassung zu werden. Trotz kritischer, warnender Stimmen von Fachleuten aus den USA zu den Nebenwirkungen des Mittels plant Winston von dort aus auch den deutschen Markt zu überfluten. Marazepan macht durch seine hochgradig euphorisierende Wirkung hochgradig abhängig. Nach dem Motto- einmal Marazepan, immer Marazepan. Während sich die Führungsmannschaft von Winston Pharmaceutics sich in Ebratal durch undisziplinierten Umgang mit der Droge gegenseitig vernichtet, wächst in Dr. Gerhard Paul Bunnemann großer Widerstand gegen die Droge heran.  Bunnemann, Ausgeburt deutscher Ordnung, Disziplin und Tatkraft verweigert seinem Patienten Joachim A. Gerke die Fortsetzung der Marazepan Einnahme. Gerke ist ein eher bisher unauffälliger, um seine intellektuelle Fassade bemühter Mensch und geriet wegen seiner Depression an diese Wunderpillen. Seither kreisen seine Tagesabläufe einzig um die Einnahmezeiten. Als sein „Gott“ Bunnemann ihm das Rezept verweigert, bröselt die Fassade. Er ist wie von Sinnen und in ihm erwacht ein nicht unerhebliches Potential krimineller Energie, den die Stadt Frankfurt noch am gleichen tag zu spüren bekommt. In Gerke, dem eigentlichen Verfasser dieses Romans, verschwimmt dieser zunehmend mit der Realität, sodass er sich selbst nicht mehr traut. Zeitgleich hat eine militante Frauenbewegung, deren Ziel es unter anderem ist, die Nazibewegung in Ostdeutschland zu dezimieren, der führerlosen Winston Pharmaceutics in Ebratal angenommen. Doch die Amerikaner sind gewarnt. Sie beauftragen einen Privatdetektiv, die Lage in Ebratal zu schicken. Die Liste der unter Marazepan verübten Straftaten wird immer langer und das nicht nur in Deutschland. Ein vorbildlich geführter Schlachthof in Frankreich gerät zunehmend in den Fokus…

weissbooks.w

Hardcover

416 Seiten, 24.00 €

ISBN 978-3-86337-180-7

Christoph Höhtker, geboren 1967 in Bielefeld, studierte Soziologie, war Journalist, Sprachlehrer und Werbetexter. Er lebt und arbeitet seit 2004 in Genf.