Fast bekomme ich das Gefühl, das gerade ein Revival des 80er Synth-Pop/Waves stattfindet, zumindest erscheinen vermehrt Scheiben, die stilistisch an diese Ära erinnern. Wie das Debütalbum des Elektro Pop Duo LOAD, welches 2018 aus den urbanen Schatten der Straßen Basels hervortrat, um für Szeneaufruhr und Regelbrüche zu sorgen. Ausgestattet mit messerscharfen Synths und rockigen Gitarren erschaffen sie zielgerichtet ihren eigenen Soundkosmos, Utopie und Dystopie der Moderne zelebrierend, jedoch nicht, ohne die vorgenannten Wurzeln außer Acht zu lassen. Geschichten urbaner Melancholie, düsterer Erotik und religiöser Abstraktionen sind die Szenarien, denen sich LOAD verschrieben haben. Szenarien die zuzeiten trostlos, manchmal bedrohlich erscheinen, doch nicht minder ausdrucksstark und eindringlich sind, als die Masken, die das Duo trägt, um dem Stigma ‘Identität’ zu entgehen und sich der LED-Dimension hinzugeben. Dabei hätten es LOAD eigentlich nicht nötig, auf solche Showeffekt zu setzen, ihre Musik entwickelt eine eindringliche Eigenständigkeit, die viel eher geeignet ist, im Kopf zu bleiben und wohl nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Vorab haben die Baseler zwei Singles aus dem 11 Stücke umfassenden Album veröffentlicht, die bereits eine deutliche Duftmarke setzten. Die Single ‘Black Knight Satellite’, benannt nach dem gleichnamigen modernen Mythos, ist eine hypnotisierende Pophymne die den Hörer direkt ins All katapultiert, ein Song der LOADs Flair für eingängige Melodien und intelligent inszenierte Textarrangements offen legt, während die pulsierenden Beats und sägenden Synths bei der zweiten Single  ‘Emerald Eyes’ einen schlagartig zurück auf den festen Boden der Tanzfläche bringen. Auch bei den anderen Songs klingt der Sound sehr zeitgemäß, er mischt einige Stile miteinander, hat aber auch immer einen deutlichen Schlag von diesem eingängigen Retro-Touch, der bei mir schöne Erinnerungen hochkommen lässt. Die Bassline wabert sehr charakteristisch vor sich hin, erinnert oft an die gute 303, bevor sie ihren Ruf als das Acid-Instrument bekam. Überhaupt wirkt die Bassline sehr lebendig und überhaupt nicht statisch, sie fließt wabernd durch die einzelnen Tracks, mal etwas wilder, mal etwas verspielt. Stellenweise fühle ich mich an einzelne Titel aus den 80ern erinnert, aber es sind eindeutig keine bloßen Kopie alter Hits oder ewig gestrige Musik, sondern eine gekonnte Aufnahme der alten Themen in einen eigenen neuen und zeitgerechten Stil. Die Texte sind oft leicht melancholisch, ohne jedoch im allzu düsteren “Trauer”-Sound zu versinken, mal schräg schön erotisch und oft auch augenzwinkernd kommentierte Eindrücke des Jetzt.  Load bringt richtig intelligenten Electro Pop mit dem passenden Dark Wave / Wave Elementen, die die Scheibe zu einem mehr als empfehlenswerten Hörerlebnis werden lassen. Ein dickes Kompliment an die Schweizer für eine durch und durch gelungene Produktion!

ZAFFRE – vocals & instruments

CYAN – vocals & instruments

https://www.youtube.com/watch?v=aB0v7RppIgU

https://loadnode.bandcamp.com/releases

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