Markus Heitz bietet uns in „Die Meisterin: Der Beginn“ einen sehr detaillierten Einblick in die Zünfte der Henker, Scharfrichter und Vollstrecker, die die urteile vollzogen, die meist das Ergebnis röm.-kath. inquisitorischer Ermittlungen waren. Meisterhaft verbindet er diese alte Geschichte mit der jetzigen Zeit, in der sich de vermeintlich geistige Elite des Vatikans – zumindest der Ratzinger-Flügel – in der Furcht vor dem Aufflammen der alten Magie neu wappnet. Zu der Amtszeit Ratzingers jedenfalls wurden 3.000 Exorzisten von ihm ausgesandt, den Menschen die bösen Geister auszutreiben. (Hat der eigentlich mal in den Spiegel geschaut?) Das was mich an dieser Geschichte besonders fasziniert, ist der Beleg dafür, dass in der Neuzeit auch weibliche Henker dieses Amt ausübten. Zwar war dies die Ausnahme, doch es gab die ein oder andere.

Geneve, die Hauptfigur der Handlung dieser Geschichte entstammt einer solchen Zunft. Ihre Mutter übernahm nach dem Tod ihres Vaters, eines Henkers, nach einer Prüfung das Amt des Vollstreckers. So konnte die Familie den Tod des Vaters kompensieren. Jacob der Sohn assistiert nicht nur beim Sterben mit Freude, sondern gerne auch bei der Folter. Doch Geneve war es zuwider den Menschen Schmerzen Zu bereiten. Sie übernahm deshalb mit Freude den Job der Heilerin, der auch notwendig war, um die Befragten, trotz der Pein, solange wie möglich am Leben zu erhalten. Geneves Anliegen war von jeher Gerechtigkeit und so verhalf sie dem ein oder anderen zu einem Freispruch. Einer der zu Unrecht angeklagten, dem Geneve das Leben rettete, bedankte sich bei ihr mit einem Elixier, welches das Leben verlängerte.

Leipzig im Hier und Jetzt. Geneve wohnt in einer kleinen schmuddeligen Villa und ist eine gefragte Heilerin. Ihre Hülle ist jung und hübsch, doch in ihr ruht Jahrhunderte altes Wissen. Ihr Bruder Jacob wird in London ermordet. Auch wenn Geneve wegen seiner sadistischen Neigungen nicht viel an ihm liegt, ist sie erschüttert um die Umstände seines Todes. Als kurz darauf auch ihrer Mutter das gleiche Schicksal widerfährt, ist Geneve alarmiert. Auf beiden Leichen finden sich die Siegel der Bugattis, einer Henker-Dynastie, mit denen die Cornelius seit Jahrhunderten im Clinch liegt. Doch wirklich komisch wird es, als dann der aalglatte Monsignore Ignatius, als Exorzist aus Rom gesandt, behauptet, Leipzig würde derzeit von Schwarzmagiern aus Berlin unterwandert.

Verlag: Knaur HC

480 Seiten, 14,99 €

ISBN: 978-3-426-22675-9

Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb über 50 Romane und wurde etliche Male ausgezeichnet. Mit der Bestsellerserie um “Die Zwerge” gelang dem Saarländer der nationale und internationale Durchbruch. Dazu kamen erfolgreiche Thriller um Wandelwesen, Vampire, Seelenwanderer und andere düstere Gestalten der Urban Fantasy und Phantastik. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.

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