Das erste Känguru, das bekanntermaßen der Corona-Krise zum Opfer fällt. Denn ‚Jetzt im Kino‘ stimmt zu meinem größten Bedauern leider nicht mehr. Doch ‚Aufgeschoben‘ ist nicht ‚Aufgehoben‘. Marc-Uwe Klings ‚Känguruchronik‘ kann sich auf jeden Fall auch als Buch sehen lassen und stimmt garantiert infektionsfrei den künftigen Kinobesucher auf schreiend komische und teilweise bitterböse Satire ein.

Seit 10 Jahren beglückt uns Kling nun schon mit den Episoden um seinen WG-Besucher, dem renegaten, Kommunistischen, Schnapspralinensüchtigen Känguru. Eines Tages stand es bei ihm vor der Tür und behauptete, der neue Nachbar zu sein, er schnorrte sich sämtliche Zutaten für Eierpfannkuchen von ihm. Die kommunistische Grundhaltung nimmt das Känguru sehr ernst und betrachtet sehr bald nicht nur Klings Kühlschrankinhalt als Gemeinschaftseigentum, sondern erhebt auch Anspruch auf sein Wohnzimmer. Kurzerhand zieht er bei ihm ein und nervt nonstop mit seiner manipulativen Unterhaltung. Dabei zeigt es zutiefst kapitalistische Züge. Kling hält sich mit kleinen Gigs, zu denen er auf kleinen Bühnen inhaltlich unbedeutende Texte musikalisch vorträgt, am Kacken. In den Augen des Kängurus ist Kling daher ein Kleinkünstler, eine Bezeichnung, die ihm vollkommen missfällt. Doch das Känguru ist nicht nur in dieser Hinsicht unbelehrbar. Auch die Gefahren, denen er sich gegenüber dem gemeinen Berliner Volke durch sein Verhalten aussetzt, ignoriert das Känguru geflissentlich. Er übt sich beispielsweise gerne im Kleinkind-Weitschiessen, wobei er Erstaunliches über die unterschiedlichen Ergebnisse verschiedener Völker herausfindet. Letztendlich jedoch ist das Känguru dem gemeinen Berliner Volk nicht nur verbal überlegen. Für den Fall aller Fälle führt es immer ein Paar roter Boxhandschuhe im Beutel mit sich, die, wenn Worte nicht überzeugen können, ihn dann doch noch zum Sieger werden lassen. Der Ideenreichtum, mit dem das Känguru seine Bedürfnisse durchsetzt, ohne dabei selbst großen Einsatz zeigen zu müssen, ist grenzenlos und findet dabei selbst großen Einsatz zeigen zu müssen, ist grenzenlos und findet daher auch noch in diversen kommenden Episoden reichlich Gelegenheit uns zum Lachen zu bringen.

Ullstein Taschenbuch

272 Seiten, 10,99 €

ISBN: 9783548063737

Marc-Uwe Kling singt Lieder und erzählt Geschichten. Sein Geschäftsmodell ist es, kapitalismuskritische Bücher zu schreiben, die sich total gut verkaufen. Seine Känguru-Geschichten wurden 2010 mit dem Deutschen Radiopreis und 2013 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.