Wahnsinn! Ein literarisches Meisterwerk ist Dmitry Glukhovsky mit ‚Text‘ gelungen, einzigartig und unvergleichlich. Frech und unverblümt zeigt er Moskaus fiese Fratze und das in einer Sprache, die die fetzen nur so fliegen lässt. Atmosphärisch gespenstig gestaltet er das Moskauer Bühnenbild.

„Auf der Erde ist das so eingerichtet, dass alle Menschen unbedingt in die Hölle kommen. Besonders in Russland. Denn Gottes Waage ist gezinkt und Gerechtigkeit ist eine Erfindung der Menschen, damit sie sich nicht völlig zerfleischen.“

Ilja, Philosophie-Student, gerät mit seiner Freundin Vera in eine Moskauer Club in eine Drogenrazzia. Der ehrgeizige Polizist Petja schmuggelt Ilja ein Kokstütchen in die Tasche, um damit seine Ermittlungsquote zu verbessern. Dafür wird Ilja für sieben Jahre ins Straflager geschickt. Dort geht er durch die Hölle und Vera verlässt ihn. Der einzige Mensch, der noch zu ihm steht, ist seine Mutter, eine alleinerziehende Lehrerin. Sie versucht, ihn während dieser Jahre am Leben zu erhalten. Spricht ihm zu und macht ihm Mut. Voller Freude kehrt er nach sieben Jahren zurück. Doch die Mutter ist tot. Sie starb zwei Tage zuvor an einem Herzinfarkt. Ilja ist verzweifelt und mit der Situation total überfordert. Das Geld, das die Mutter ihm hinterlassen hat, reicht gerade einmal, um ein paar Tage davon zu leben, aber bei weitem nicht für eine Beerdigung. Er gibt sich dem Wodka hin. In seinem Rausch beschließt er, sich an dem Polizisten zu rächen, der ihm sein Leben verhagelt hat. Er lauert ihm auf, ersticht ihn und wirft ihn in einen Gully. In seinem Suff nimmt er Petja Handy an sich. Am anderen Morgen wird ihm klar, welch fatalen Fehler er damit begangen hat. Petjas Eltern, Arbeitskollegen und Freunde bombardieren das Handy mit Nachrichten. Um den Mord solange wie möglich zu vertuschen, schlüpft er in die Rolle Petjas und beantwortet seine Kontakte. Damit dieses glaubhaft klingt und um adäquat zu kommunizieren, taucht er tief i Petjas Leben ein. Immer mehr identifiziert er sich mit ihm und lebt sein Leben weiter.  Iljas Selbst gerät dabei vollkommen in den Hintergrund. Er steigt ein in die krummen Drogengeschäfte, die Petja betrieb, streitet sich mit den Eltern und versucht Petjas kaputte Beziehung zu Nina zu kitten und das alles über Petja Handy. Doch, da gab es noch etwas, um das er sich eigentlich dringend kümmern müsste und zwar als Ilja. Die tote Mutter muss doch noch beerdigt werden.

Ullstein Taschenbuch

368 Seiten, 9,99 €

ISBN: 9783548060040

Dmitry Glukhovsky, geboren 1979 in Moskau, hat in Jerusalem Internationale Beziehungen studiert und arbeitete als TV-und Radio-Journalist unter anderem für den Fernsehsender Russia Today und die Deutsche Welle. Mit seinem Debütroman METRO 2033 landete er auf Anhieb einen Bestseller. Er gilt als einer der neuen Stars der jungen russischen Literatur. Der Autor lebt in Moskau.