Der 4. Band aus Katja Bohnets Saizew-Lopez-Thriller-Reihe macht sie endgültig zur Meisterin der Inszenierung des ‚Absurden Theaters‘. Der schäbig, traurig, kaputten Berliner Kulisse zaubert sie nicht nur das passende Wetter hinzu, sondern es findet auch eine deutliche Weiterentwicklung ihrer herrlich schrägen Charaktere statt. Menschen mit dem Hang zur Harmonie oder dem Wunsch nach einem Happy End sei daher dringend abgeraten, dieses Buch zu lesen, für alle anderen Menschen ist es ein Hochgenuss!

Rosa Lopez und Viktor Saizew sind das „Traum(a) – Duo“ der Berliner Mordkommission. Das Traum-Duo sorgt für traumhafte Zahlen bei der Aufklärungsquote, auch wenn die Beiden dies auf sehr unkonventionelle Art erreichen. Zum Trauma-Duo werden sie aufgrund ihres Handelns und ihrer persönlichen Lebensumstände. Lopez Agenda sieht auf den ersten Blick noch einigermaßen normal aus. Ihr Trauma ist der Verlust eines ihrer Kinder, das erst nach Jahren der Suche wiederauftauchte, jedoch nicht mehr bei ihr lebt. Ihre beiden anderen Kinder werden von ihrem Mann Bernhard liebevoll großgezogen. Denn Lopez einzige wirkliche Leidenschaft ist ihr Beruf. Deshalb verlangt Bernhard jetzt auch die Scheidung. Viktor Saizew floh vor mehreren Jahren mit seiner Großmutter Mila aus St. Petersburg, weil er dort einen Menschen getötet hatte. Er verspricht Mila, sich zu bessern und wird der beste Ermittler der Berliner Mordkommission. Doch nicht nur sein grobschlächtig überproportionales Erscheinungsbild wirkt befremdend, sondern auch seine Kontrollverluste sind beeindruckend. Am Alex in Berlin werden sechs Menschen auf brutale Weise am helllichten Tag ermordet. Sie werden von einem ganz n Schwarz gekleideten Motorradfahrer mit einer Machete niedergestreckt. Eines der Opfer weist zudem eine Bisswunde auf. Ihm wurde durch den Biss Fleisch entnommen. Kannibalismus? Lopez ist ziemlich angepisst. Nicht nur wegen ihrer häuslichen Situation, sondern vor allem wegen des Fehlens von Viktor Saizew. Der sitzt wegen seines letzten Kontrollverlusts in einer ‚besonderen‘ forensischen Anstalt. Therapie statt Knast, und zwar Therapie der ‚besonderen Art‘. Stattdessen muss sie sich mit der dänischen Praktikantin Hansen begnügen. Die punktet jedoch nicht nur in Sachen Aussehen, sondern vor allem in Cleverness. Wie es der Zufall will, führen sie die Ermittlungen im Fall der Alex-Morde ausgerechnet in die Psychiatrie, in der Viktor Saizew untergebracht ist. Lopez bringt ihre gesamte kriminelle Energie auf, um diesen Vorteil zu nutzen und ihren Lieblingskollegen trotz seiner misslichen Lage sinnvoll in den Fall zu integrieren. Und wieder einmal stoßen die beiden auf einen Sumpf, der weit hinauf in die Führungsetagen reicht.

Verlag: Knaur TB

368 Seiten, 14,99 €

ISBN: 978-3-426-52436-7

Katja Bohnet, Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.

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