Entdeckt hatte ich Unplaces bereits 2018 im Mai, als ich ihr gelungenes Album ‚Changes‘ vorstellte. Umso mehr war ich dann gespannt, die Band aus Bochum auf dem Jubiläumskonzert von Vadot (sein 10 – jähriges) einmal live zu sehen und an meinen sehr positiven ersten Eindruck anzuknüpfen. So viel vorweg, ich wurde nicht enttäuscht, Unplaces gehören zu den wirklich markanten (und leider unterschätzen) Konstanten des Electro-Rock in Deutschland und ich möchte euch empfehlen, mal demnächst auf ein Konzert zu gehen und Euch selbst zu überzeugen.

Auch wenn es der aufregende und unverbrauchte Sound anderes vermuten lässt, bei UNPLACES aus Bochum und Hannover handelt es sich nicht um eine Newcomerband, sondern um das bereits etablierte Trio NRT. Der Grund für die Umbenennung geht dabei nicht etwa auf eine musikalische Neuausrichtung zurück, sondern ist schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass die Band unter der alten Bezeichnung in der Web-Konkurrenz zum gleichnamigen Fernsehsender NRT zunehmend den Kürzeren zog. Die Auffindbarkeit in den einschlägigen Suchmaschinen ist heutzutage eben ein nicht zu unterschätzender Faktor. Musikalisch knüpfen UNPLACES demnach nahtlos da an, wo NRT aufgehört haben, und werden dem Namen gerecht, den sie sich über die Jahre erspielt haben; ganz egal welchen die Band nun auch tragen mag. UNPLACES bleibt die leidenschaftliche, mitreißende Live-Band, die sie immer schon gewesen ist.

Wie selbstverständlich verschmilzt der kühle Minimalismus des Electro mit dem handelsüblichen Instrumentarium einer Rock-Band bei UNPLACES zu einem untrennbaren Organismus. Mit souveräner Leichtigkeit und unbeeindruckt von etwaigen Genre-Grenzen kreiert die Formation aus Bochum und Hannover ein ums andere Mal Songs von nahezu hymnischem Charakter. Den Synthesizer zum prägenden Stilmittel erhoben, lässt das Trio tanzbare Beats auf E-Bow-gestützte Gitarrenakkorde sowie melancholische Gesänge treffen und findet im Endprodukt sogar noch Verwendung für genreuntypische Instrumente wie z.B. die Trompete, die sich vor allen Dingen bei den Live-Shows der Band positiv bemerkbar macht, bei denen sie zudem durch einen Live-Keyboarder unterstützt werden. Kompositorisch-strukturell frei und mit tiefer Hingabe stimmt die Band das atmosphärische Spannungsfeld des jeweiligen Tracks stets auf die nachdenklich gesellschaftlich-politische Textebene ab, was zu einer engen Verzahnung der einzelnen Elemente führt. Die ohnehin schon gegebene Vielfalt wird live noch um Visuals und eine Light-Show ergänzt, um ein audiovisuelles Gesamtpaket zu schaffen, das die hohe Qualität der anspruchsvollen Studioarbeit gekonnt auf die Bühne überträgt.

Nun ist im November letzten Jahres eine Live CD mit dem eingängigen Titel „Live“ erschienen, der wunderbar die Atmosphäre eines Unplaces – Konzerts wiedergibt, der erste der insgesamt  heißt Standing Still und bewirkt das Gegenteil von dem, was der Titel aussagt, er geht in den Körper und animiert zum Tanzen. Und so geht es durch die ganze Scheibe hindurch, ein Knaller folgt auf den anderen und die Liveeaufnahme ist so gut gelungen, dass das Mensch das Gefühl hat dabei zu sein. Die über die Bühne tanzende genial Petra am Bass, der eindringliche, emotionale Gesang Dorettes an der Gitarre, mit immer wieder überraschenden Akzenten durch die Trompete und das alles auf dem soliden, treibenden Schlagzeugteppich von Daniel – einfach schön und mitreißend. Für mich sind Unplaces eine der stilbildenden Bands des Electro-Rock, die ein deutlich größeres Publikum verdient haben!

Musiker:

Dorette Gonschorek (Gesang, Gitarre, Trompete, Sounds)

Petra Franetzki (Bass)

Daniel Fasold (Schlagzeug)

Online

https://www.youtube.com/watch?v=kYncgnGjY5A

https://www.youtube.com/watch?v=0MqCYIl25Rk

https://www.youtube.com/watch?v=cZ89ReVBsKY

https://www.youtube.com/watch?v=wSW61Nv2oGc

http://www.unplaces.de

https://www.facebook.com/Unplaces

https://soundcloud.com/unplaces