Als mir dieses Album auf den Tisch flatterte, fielen mir spontan die ganzen Geschichten und genialen Konzerte ein, die ich in den letzten vierzig Jahren mit dem Grandmaster des Funks, George Clinton erlebt habe. Und nach dem Anhören wundert es mich überhaupt nicht, dass er als Special Guest auf dem Album „Feed The Wolf“ von MISSVELVET & THE BLUE WOLF auftritt. Schließlich sind sie das neue dicke Ding der US-amerikanischen Classic-Rock/Funk-Szene. Ihr In-your-face-bad-ass-Sound wurde schon sehr schön beschrieben als Baby aus einem flotten Dreier von Chicago, Led Zeppelin und Janis Joplin. Das Oktett(!) räumt in der Heimat im Livesektor mächtig ab und hat zuletzt auch mit George Clinton Parliament Funkadelic über 100 Shows bestritten, dieser Sound ist definitiv sein Ding.

Und so hat Miss Velvet dem Black-Music-Altmeister George Clinton acht Stücke auf den Leib geschrieben als und sie laden die zweite Scheibe der Band (“Bad Get Some” begeisterte 2015) noch weiter sexuell auf, als ihre Musik ohnehin schon klingt. Der Schulterschuss liegt ja stilistisch sehr nahe, denn die Formation verbindet zeitgenössischen Alternative Rock und Funk mit einem kräftigen Schuss Soul, stellt also so etwas wie eine moderne Variante des Funkadelic-Sounds dar und ist davon abgesehen kompositorisch schon mindestens so abgeklärt, wie der altgediente Grammy-Gewinner, der zu den stilprägendsten Künstlern seiner Art zählt. “Feed The Wolf” bringt genau den fetzigen Groove und die ansteckenden Melodien, bei deren Hören kein Mensch stillhalten kann.

Der Opener “Super Bon Bon” beginnt noch etwas verhalten zu groovigem Funk, zu dem Miss Velvet ihre souligen Vocals beiträgt. Starke Bläsersätze unterstützen diese heiße Mischung aus brodelnder Spannung und prickelnden Grooves noch zusätzlich. Der Gesang von Miss Velvet beeindruckt bereits bei diesem ersten Track, obwohl sie sich hier gerade mal ein bisschen warm singt. Spätestens nach diesem ersten Stück dürfte bei jedem geneigten Musik-Fan angekommen sein, was für eine bärenstarke Sängerin in dieser Band am Werk ist. Miss Velvet beeindruckt nicht nur mit ihrem vollen stimmlichen und emotionalen Einsatz, hinzu kommt sogar noch ein guter Batzen Sex in der Stimme und obendrein die Gabe, sich beim Gesang vollkommen zu öffnen und den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Auf “Phat Blunt” ist dann George Clinton an der Gitarre und am Gesang sehr präsent. Und selbst ihm fällt es schwer, gesanglich mit Miss Velvet mitzuhalten. Wobei da wohl jeder einen schweren Stand hätte. Eine der stärksten Nummern ist der Titeltrack mit seiner explosiven Mischung aus heißen Rhythmen sowie obendrein ganz feinen Melodien und fetten Vocals. Am Ende rückt die grandiose Sängerin mit dem Pseudonym, das der Band ihren Namen gibt, vor allem in der Ballade ‘Sweet Intoxication’ in den Mittelpunkt, einfach traumhaft.

Eines ist nach dem Anhören von “Feed The Wolf” für mich klar, diese Combo steht ganz offensichtlich unter Volldampf und beim Genuss dieser neuen Scheibe wird deutlich, wie bombastisch die Combo erst live auf der Bühne rüberkommen muss. Zwar erreicht nicht jeder der acht Tracks die Höchstmarke, aber selten habe ich in den letzten Jahren auf einer Studioproduktion so dermaßen die musikalischen Fetzen fliegen hören, wie hier.

Für Funk Rock-Liebhaber ein absolutes Muss, aber auch alle Rocker und Metaler sollten Stücke wie “Super Bon Bon”, “FSL”, den Titeltrack oder “Bitch Honey” unbedingt mal abchecken. Ein dickes Kompliment für Miss Velvet & The Blue Wolf, die mit “Feed The Wolf” ein echtes Hammer-Album am Start haben!

THE BAND
Miss Velvet ~ Vocals
Constance Hauman ~ Keyboards
Nick Carbone ~ Drums
Henry Ott ~ Guitars
James Jones ~ Bass
TJ Robinson ~ Trombone/Congas
JS Williams ~ Trumpet (live)
Trevor Neumann ~ Trumpet (album)
Dan Levine ~ Trombone (album)

Plus George Clinton als Gast

https://www.youtube.com/watch?v=Zu-7YVqNTQ4

https://www.youtube.com/watch?v=WXrA7Yn_LjY&feature=youtu.be

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MissVelvetAndTheBlueWolf.com