Schon Oliver Pötschs Interpretation des Goethes Faust I – „Der Spielmann“ entpuppte sich als glanzvolles, spannend unterhaltsames und lehrreiches Werk. Während Goethes Faust II eher floppte, gelingt es dem Autor mit seiner Version „Der Lehrmeister“, sein gigantisches Werk ebenso farbenfroh und geschichtstreu fortzusetzen und zu beenden.  Gekonnt verbindet er bekannte Größen und Ereignisse des 16. Jahrhunderts mit der legendären Figur Goethes, dem Magier Johann Georg Faustus.

Wir schreiben das Jahr 1510. Faust ist knapp 40 Jahre alt, als er mit seinem sodomitisch veranlagtem und ihm treu ergebenen Gehilfen Karl Wagner sowie seiner Tochter Grete nach Bamberg geladen wird. Er befindet sich nach wie vor auf der Flucht vor Tonio del Moravia, dem personifizierten Teufel, mit dem er als junger Mann einen Pakt einging. Ruhm, Reichtum und Wissen gegen seine Seele, so lautete der Deal. Der Teufel hielt sein Versprechen, doch nun, so scheint es Faust, verlangt er seinen Lohn. Schon mehrmals konnte er ihm entkommen. Als Faust von einer seltsamen Krankheit befallen wird, die er trotz seines Wissens nicht zu heilen vermag, sucht er seinen Freund Agrippa auf. Der weist ihn darauf hin, dass der große Leonardo da Vinci vermutlich an der gleichen Krankheit leidet. Offenbar ist jedoch Tonio del Moravia nicht der Einzige, der ihm auf den Fersen ist. Sowohl der Pabst Leo X, als auch Regierungsgesandtenamhafter Häuser hoffen mit Fausts Wissen auf die Herstellung von Gold. Der alte alchimistische Traum, den Faust jedoch nicht erfüllen kann. Da Vinci, der unter dem Schutz des französischen Königs in einer seiner Burgen seine letzten Tage fristet, leidet tatsächlich an der gleichen seltsamen Krankheit wie Faust. Auch ihn umgibt dieselbe Feindesschar, wie Faust. Kurz vor Da Vincis Tod gibt er ihm noch einen Hinweis, wo er sein lang gehütetes Geheimnis finden kann, welches er Faust als Vermächtnis hinterlassen möchte. Doch es beinhaltet nicht das, was Faust erwartete. Nach einem weiteren zusammentreffen mit dem Teufel verliert er seine geliebte Tochter an Rom. Sie hasst ihren Vater, weil dieser im Wahn ihren Liebsten tötet und konvertiert zum katholischen Glauben. Gemeinsam mit Karl begibt er sich in die heiligen Hallen Roms, um sie zurück zu gewinnen. Dabei setzt er alles auf eine Karte. Denn die Zustände im Vatikan sind alles andere als göttlich. Auch dort hat Tonio schon länger sein Netz gespannt.

  • Roman
  • List Hardcover
  • 800 Seiten, 22,- €
  • ISBN-13 9783471351604

Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der “Henkerstochter”-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.