Die Psyche des Menschen hat oft tiefe Krater und erscheint als unergründlich. Intelligent verschachtelt Alex Michaelidis den perfiden, abgründigen Inhalt seines Debütromans und treibt es am Ende tatsächlich auf die Spitze. Ein eindrucksvolles Werk zum Einstieg in die Welt des Psychothrillers.

Alicia Berenson, gutaussehende Mittdreißigerin ist Künstlerin und vermeintlich glücklich verheiratet mit einem gut gebuchten Fotografen. Die Beiden leben gutbürgerlich am Rande Londons. Eines Abends vernehmen Nachbarn Schüsse aus dem Haus, in dem die Beiden leben und benachrichtigen die Polizei. Im Haus treffen die Beamten auf einen gefesselten, durch mehrere Schüsse getöteten Ehemann und neben ihm seine Ehefrau, völlig geschockt und mit der Tatwaffe in der Hand. Für die Polizei steht fest, Alicia hat ihren Mann getötet. Weder zum Tathergang noch zum Motiv gibt die Tatverdächtige Auskunft, sie schweigt. Die einzige Kommunikation, zu der sie noch fähig ist, drückt sie in einem Gemälde aus, dass sie vor ihrer Verhaftung noch fertigstellt. Es stellt sie selbst dar und die Leere nach den Geschehnissen. Sie benennt es nach einer griechischen Mythologie, die beschreibt, dass ein totgeweihter Ehemann aus Feigheit seine Ehefrau opfert, um sein eigenes Leben zu retten. Doch Zeus Frau rettet sie und schickt sie zu ihrem Mann zurück. Von da an jedoch spricht sie kein einziges Wort. Auch Alicia schweigt. Sie wird für schuldig befunden. Wegen ihres Zustands vermutet das Gericht eine Persönlichkeitsstörung und weist sie in eine forensische Klinik in London ein. Sechs jahre verharrt sie dort schweigend. Theo Faber, ein Psychotherapeut, ist fasziniert von Alicias Geschichte. Er bewirbt sich erfolgreich auf ein Stellenangebot der Forensik, in der Alicia untergebracht ist und ist fortan ihr Therapeut. In akribischer Kleinarbeit legt er Alicias Kindheit nieder, die mit erheblichen Verletzungen einherging. Er nimmt ihr soziales Umfeld unter die Lupe. Immer wieder stößt er dabei auf Parallelen zu seiner eigenen Vergangenheit. Theo Faber ist geradezu besessen davon, Alicias Schweigen zu brechen. Den Durchbruch erfährt er auf ganz ungewöhnliche Weise. Eines Tages überreicht ihm Alicia ein Buch. Es ist ihr Tagebuch, das die Zeit vor dem Mord beschreibt.  Er liest es und findet darin Hinweise auf einen Mann, der Alicia offenbar gestalkt hat. Sie bricht ihr Schweigen und spricht. Sie behauptet, nicht sie habe ihren Mann umgebracht, sondern jener Mann. Doch Theo Faber weiß, dass Alicia lügt.

Droemer HC

384 Seiten, 14,99 €

ISBN: 978-3-426-28214-4 (Paperback)

ISBN: 978-3-426-45396-4 (E-Book)

Übersetzt von: Kristina Lake-Zapp

Der Brite Alex Michaelides wurde 1977 in Zypern geboren. Er studierte in Cambridge und Los Angeles und schreibt höchst erfolgreiche Drehbücher, u.a. die Vorlagen für die Kinofilme “The devil you know” oder “The Brits are Coming” mit Stars wie Uma Thurman, Tim Roth, Sofia Vergara und Stephen Fry. Nach einer Ausbildung zum Psychotherapeuten hat Alex Michaelides zwei Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche gearbeitet. “Die stumme Patientin” ist sein erster Roman, der in den USA monatelang unter den TOP 3 der New York Times Bestsellerliste stand.