Oftmals lohnt es sich zu warten, auch wenn es wie bei den Leipziger Progressive Metallern von DISILLUSION auch mal 13 Jahre dauern kann. Nun, nach dem letzten Longplayer “Gloria” ist DISILLUSION wieder zurück und haut 7 abwechslungsreiche Songs raus (inklusive Intro), die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Dass “The Liberation” überhaupt das Licht der Welt erblickte, ist einem Crowdfunding zu verdanken. Offenbar hat das Teasing durch die 2016er Single ‘Alea’ gewirkt, um dies erfolgreich werden zu lassen. Und das ist absolut verständlich, da Mensch das Werk der Band mit zwei Alben plus einer Mini-CD (“Three Neuron Kings”) und einer EP (“The Porter”) zu schätzen weiß
Nachdem DISILLUSION wie ein Tsunami mit “Back To Times Of Splendor” (2004) über die Musiklandschaft fegte und im Progressive Death Metal ein absolutes Referenzwerk erschuf, schieden sich am Zweitwerk “Gloria” (2006) bekanntermaßen die Geister. Die Band wollte ganz bewusst keine schnöde Kopie des Erfolgsrezepts abliefern, wie Frontmann Andy Schmidt in Interviews immer wieder betonte – stattdessen betrat man elektronischere Pfade, liebäugelte etwas mit Industrial und Alternative. “Gloria” hatte für mich durchaus seinen Reiz und gefiel mir noch einen Kick besser wie der Erstling, der eingeschworene Progressive Death Metal Fan konnte sich hingegen leicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Band spielte nach einigen Headliner-Shows in der Folgezeit immer weniger Konzerte und legte ab 2011 offiziell eine Ruhepause ein. Ein erstes Lebenszeichen war dann die Single ‘Alea’ – ein schönes, zehnminütiges Stück, das aber vom neuen Album deutlich übertroffen wird.
Auf jeden Fall ist es kein Album, das altbekanntes wiederholt, welches uns die Leipziger hier kredenzen, aber es ist so viel näher am Debüt als an “Gloria”, sodass viele Fans der ersten Stunde begeistert sein werden. “The Liberation” enthält einige ruhige und harmonische Anteile, aber daneben gibt es etliche ruppige Parts mit Growling und wilden Riffs, die den (Melodic) Death Metal in den Sound zurückholen. Schon ‘Wintertide’ eröffnet als Zwölfminüter nach dem Intro ‘In Waking Hours’ mit einem atmosphärischen Part, der immer wieder in härteren Ausbrüchen mündet. ‘The Great Unknown’ ist dann die Death-Metal-Hymne schlechthin, die DISILLUSION auch nach den vielen Jahren immer noch überzeugend hinbekommen. Aber auch das bombastische ‘A Shimmer In The Darkest Sea’ und der absolut furiose Titeltrack sind absolut beeindruckend zu nennen. Insbesondere die vielseitige Gitarrenarbeit des Quintetts (drei Gitarristen) fasziniert mich. Überhaupt ist die Platte so abwechselnd gestaltet, dass es gar nicht auffällt wie die Zeit beim Hören vergeht
“The Liberation” wirkt wie aus einem Guss, da ist nichts zusammengestückelt, und ich kann auch nach mehrmaligem Hören definitiv nicht den einen Lieblingssong benennen. Irgendwie hat jede Nummer das gewisse Etwas. Dieses Album ist hart und zerbrechlich, episch und verschlungen, in gleichem Maß, insbesondere der Gesang fällt vielschichtig und eindrücklich aus.
Es bleibt noch festzustellen, DISILLUSION ist zurück und das stärker als zuvor.

Line-Up auf „The Liberation“:
Andy Schmidt – Gitarre, Gesang, Bass, Keys
Sebastian Hupfer – Gitarre
Ben Haugg – Gitarre, Bass
Josh Saldanha – Drums, Percussion
Felix Tilemann – Bass

https://www.youtube.com/watch?v=rZbDKIWkUcg

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