Selbstbewusst, in einem locker, fließenden Sprachgewand – so debütiert Michaela Küpper mit „Kaltenbruch“. Dieses Selbstbewusstsein ist berechtigt, denn die Geschichte ist authentisch, super recherchiert und vermittelt hochgradigen Lesegenuss. Ein großartiges Debüt!

1955 – Kaltenbruch, ein fiktives Dorf am Niederrhein, dessen Klima jedoch Niederbayern assoziiert, jedoch in dieser Zeit in allen – vor allem ländlich geprägten Gegenden Deutschlands herrschte. Die Hierarchien sind klar strukturiert. Großbauer Leitner, der Metzger und ein Fabrikant scharen das Fußvolk um sich. In der Nähe des Dorfes gibt es eine Barackensiedlung, in der Flüchtlinge (sogenannte Ostvertriebene) seit Kriegsende untergebracht sind. Billige Arbeitskräfte, im Volksmund die Polacken. Die Kaminski-Kinder jedenfalls haben in der Dorfschule nichts zu lachen. Besonders Wolfgang nicht, denn außer seiner polnischen Herkunft hat er auch noch eine Hasenscharte. Doch Dana, die mit ihrer Mutter aus Breslau floh und sein älterer Bruder bieten dem Dorfmob die Stirn und beschützen ihn. Dana wohnt mit ihrer Mutter auf dem Leitner-Hof. Leitners Frau starb bei der Geburt der Zwillinge. Danach holte er sie als Ehefrau-Ersatz zu sich. „Irgendjemand muss sich ja schließlich um Haus und Garten kümmern“. In der Familie lebt auch Marlene, deren Mutter bei einem Bombenangriff in Köln ums Leben kam. Die Mutter war mit den Leitners befreundet. Dana und Marlene sind beste Freundinnen und so lässt sich die Plackerei auf dem Hof ertragen. Doch von einem Tag auf den anderen gerät das Dorfgerüst ins Wanken. Heini, der jüngere Sohn der Leitners wird ermordet. Peter Hoffmann, Kommissar aus Düsseldorf, wird dazu verdonnert, den Mord im Kuhdorf aufzuklären. Seine kecke Assistentin Lisbeth hilft ihm dabei. Zunächst scheint der Fall ziemlich klar. Am Tatort befindet sich ein dorfbekannter Säufer, der gerne auch mal die Fäuste fliegen lässt und im Dorf nicht sonderlich beliebt ist. Die Beweise reichen jedoch zunächst nicht für einen Haftbefehl. Kurz nach seiner Entlassung wird ebendieser Säufer ermordet in der Nähe des Leitner Hofes aufgefunden. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um Rache handeln könnte.

Dana und Marlene erlebten während der Kriegsjahre schreckliche Dinge und auch der Kommissar kämpft immer noch mit den Folgen seines Kriegstraumas. Um die Familie Leitner gibt es ein Geheimnis, in das Marlene unwissentlich verstrickt ist. Um jedoch die beiden Morde, aufzuklären, tauchen die beiden Ermittler tief in deren Vergangenheit ein. Akribisch werden die Verhältnisse der Bewohner des Leitner-Hofs und der Dorfbewohner unter die Lupe genommen und dabei kommt das Motiv des Täters zutage. In der dramatischen letzten Minute kann dann ein weiterer Mord verhindert werden.

Taschenbuch, Droemer TB
368 S., 9,99 €
ISBN: 978-3-426-30640-6

Michaela Küpper wurde im niederrheinischen Alpen geboren und ist in Bonn aufgewachsen. In Marburg studierte sie Soziologie, Psychologie, Politik und Pädagogik. Dann zog es sie zurück ins Rheinland, wo sie nach einem Volontariat viele Jahre lang als Projektmanagerin in einem Verlag tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin, Redakteurin und Illustratorin.