Ein wenig fühlte ich mich zurück versetzt in die große Zeit des Soul und Gospels in den 60/70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als ich mir Eli Paperboys drittes Album auf dem Yep Roc Label zu Gemüte führte.  Dieser Eli „Paperboy“ Reed war schon immer einer der Künstler, denen Mensch nach seinen überzeugenden en Live-Shows sämtliche Platten abkaufen möchte. Nachdem er jedoch 2014 zum Major Label gewechselt war, entäuschte er erst einmal seine Fans, denn das Album war langweiliger Mainstream. Dies hat er dann wohl selbst gemerkt und reichte ein Album nach, dass eine überzeugende herzlich raue Garagen-Atmosphäre wiedergab. Nun also das dritte Album, das fast wie ein Kompromiss zu den beiden Vorgängern wirkt. Herausgekommen ist ein in Memphis aufgenommenes Retro-Soul-Album mit viel Pop-Appeal. Die Stimme des 35-jährigen Reed ist ganz smooth und eindringlich, die Produktion mit Hammondorgel, Bläsern und Gospel-Huhs stimmig. Doch irgendwie fehlt bei den durchweg gut gelaunten klingenden Stücken, die sich trotz Spieldauer von weniger als drei Minuten lang anfühlen, die ächzende, knisternde Blues-Roughness des Vorgängers. Und wenn Reed im Titelsong Eiscremefreuden an heißen Tagen besingt, ist das inhaltlich arg schlicht, da hilft auch der Rap von Big Daddy Kane nicht.

Nun also beginnt mit diesem Album seine zweite Decade als Künstler, so zumindest wird es von Seiten des Managements kolportiert. Und wie auch zu Beginn mit dem Ausdruck seiner Zuneigung zum Soul, nur, so möchte ich sagen, etwas weichgespülter als am Anfang seiner Karriere. Die Erklärung liefert er selbst: “My daughter is two years old now, and she’s completely changed the way I approach music,” says Reed. “Having a child alters your perception of time and teaches you to get right to the heart of things. When I started writing these songs, all I wanted to do was tap into the root of what it is that I love about soul music.”

Aufgenommen wurde die Scheibe im legendären Sam Phillips Recording Studio in Memphis, TN, und produziert von Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Margo Price). “Sam Phillips built that studio in 1960 after he grew out of Sun, and it really hasn’t changed,” says Reed. “It’s an amazing space, and the sound of the room is just incredible. When you’re in there recording and hearing the vocals coming back at you through the echo chamber, it already sounds like it’s supposed to.”

‘99 Cent Dreams’ ist ein durchweg gelungenes, schönes Album, dass mich allerdings nicht wirklich vom Hocker reißt. Handwerklich gekonnt, überzeugend orchestriert, aber es fehlt halt irgendwo der Pep, der aus der Menge an guten Soul-Produktionen herausheben würde.

https://www.youtube.com/watch?v=BSitRPiZBV4

http://www.elipaperboyreed.com/