Hardcore! Schon „Wolfswut“, Gößlings erstes Werk um Kommissarin Kira Hollstein hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. In „Drosselbrut“ jedoch fallen alle Hüllen. Größling verbindet aktuelle Nachrichten, Bewegungen und die schmierige Politik, die Berlin beherrschen und formt sie zu einer an Grausamkeit, leider auch angelehnt an tatsächliche Begebenheiten, zu einem wirklich entsetzlichen, spannenden True-Crime-Thriller. Angelehnt ist die Geschichte an den belgischen Dutroix-Fall in den 90er Jahren.

Wieviel „TIER“ steckt im Menschen? Das herauszubekommen obliegt offensichtlich den 3% der Bevölkerung, die das Geld regiert und die über die restlichen 97% der Menschheit mit ihrer eigenen Überzeugung von Überlegenheit agieren dürfen, mit der Zustimmung von „Recht und Gesetz“.

Kira Hallstein, Berliner Hauptkommissarin für Mord und Totschlag, ist trotz ihrer Auszeit nach ihrem letzten Fall psychisch noch ziemlich angeschlagen. Ihr Bruder Tobias, der 20 Jahre zuvor im Alter von 17 Jahren entführt wurde, ist tot. All die Jahre hatte Hallstein verzweifelt nach ihm gesucht. Doch, als sie ihn fand, hatte er sich in einen brutalen Serienmörder verwandelt. Hallstein ist nach wie vor davon überzeugt, dass eine international agierende „Bruderschaft“, deren Mitglieder in den höchsten Kreisen verkehren, dahintersteckt. Im brütend heißen Berlin geht es derzeit noch heißer her. Erschreckend viele Jugendliche werden als vermisst gemeldet. Sie scheinen drei unterschiedlichen Gruppen anzugehören. Einmal gibt es eine Bewegung, die sich „Befrei Dich“ nennt. Sie fordert in einem aufwendig produzierten Film online dazu auf, das alte Leben hinter sich zu lassen, um sich in den Wäldern und Sümpfen Brandenburgs selbst zu finden. Zahlreiche Teenies folgen dem Aufruf und verschwinden spurlos. Die zweite Gruppe sind unbegleitete Flüchtlingskinder, die ebenso zahlreich wie vom Erdboden verschluckt werden. Die ungewöhnlichste Vermisstengruppe bilden fünf noch sehr junge Mädchen, die entführt und vergewaltigt werden. Das Ambiente, in dem dies stattfindet, ist ein künstlicher Dschungel. Die Entführer filmen die Tat und erpressen die jeweiligen Großeltern. Nach der Zahlung einer nicht allzu hohen Geldsumme werden die Mädchen wieder frei gelassen, können sich jedoch an nichts erinnern, da ihnen K.O. – Tropfen verabreicht wurden. Hallstein und ihr Kollege Max ermitteln die Täter recht zügig. Ein Pärchen mittleren Alters, das eine Security Firma betreibt, hat ein altes Fabrikgebäude zu einem künstlichen Dschungel umgebaut, in dem sogar wilde Tiere gehalten werden. Im Gegensatz zur Polizeiobrigkeit, glaubt Hallstein nicht, dass die Beiden allein agierten. In Brandenburgs Wäldern wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – gefoltert und ermordet. Fieberhaft ermitteln die Beiden trotz aller Widerstände von oben. Die Spuren führen zu einem Naturvolk im Regenwald, die Bele. Forscher fanden heraus, dass diese sich durch Krötengift in Trance versetzen und auf Menschenjagd gehen. Als im Netz Sequenzen dieser brutal animalischen Jagd auftauchen, stellt Hallstein fest, dass die Hauptakteure aus der bekannten berliner Szene stammen müssen. Je weiter Hallstein sich durch den Sumpf aus Mord, Erpressung nd Vergewaltigun bewegt, desto mehr muss sie um ihr eigenes Leben fürchten. Doch sie gibt nicht auf, der Preis, den sie letztendlich dafür zahlt ist hoch.

Klappenbroschur, Knaur TB
528 S., 14,99 €
ISBN: 978-3-426-52341-4

Andreas Gößling, 1958 in Gelnhausen geboren, lebt als Schriftsteller und Verleger in Berlin. Der Germanist, Politik- und Kommunikationswissenschaftler hat zahlreiche Romane und Sachbücher für erwachsene und junge Leser publiziert, aktuell die True-Crime-Thriller „Zerschunden”, „Zersetzt” und “Zerbrochen” zusammen mit Michael Tsokos, allesamt Top-Ten-Bestseller auf der Spiegel-Liste. “Drosselbrut” ist die Fortsetzung seiner mit “Wolfswut” im März 2018 gestarteten True-Crime-Reihe.