Schräg, frech und mit einem Augenzwinkern debütiert Annalee Newitz. Zwar ist ihre intelligente Zukunftsvision erwartungsgemäß dystopisch, doch sie nimmt es offensichtlich mit Humor.

Wir schreiben das Jahr 2144. Einige wenige Großkonzerne bestimmen das Weltgeschehen. Mithilfe der weit fortgeschrittenen Technologie werden Mensch und Erde erbarmungslos ausgebeutet. Der Sklavenhandel boomt. Aber auch von Menschenhand designte Bots nehmen zunehmend spürbar Einfluss auf Entwicklungen. Zazy ist eines der weltbeherrschenden Unternehmen, ein Pharmariese, der die Menschheit zum Wohle der Wirtschaft mit entsprechend produktionsfördernden Mitteln füttert. Und das für teures Geld. Im Gegenzug füttert Zazy einen sehr geringen Bevölkerungsanteil mit Pillen, welche die Gesundheit fördern, ja sogar das Leben verlängern, natürlich auch für teuer Geld. Patentrechte verhindern, dass beispielsweise Medikamente, die das Leben verlängern, preiswert und sicher produziert werden können, sodass jeder Mensch Zugang dazu haben könnte. Jack Chenn ist studierte Patentpiratin und ihr Herz schlägt für die Revolution. Sie ist pfiffig, weltoffen aber vor allem gerecht. Deshalb schließt sie sich schon in jungen Jahren den Gegenbewegungen zur alles beherrschenden Pharmaindustrie an. Sie kopiert die Patente, sorgfältig und gewissenhaft, stellt sie dann in einem gut funktionierenden Schwarzmarktnetz der Menschheit für kleines Geld zur Verfügung. Doch eines Tages gerät ein, von ihr kopiertes, Medikament außer Kontrolle.  Ursprünglich war es dazu gedacht, den Menschen auch bei noch so stupiden, immer wiederkehrenden Arbeitsabläufen, Lust und Euphorie zu vermitteln. Nur ist das Lustempfinden, dass das Medikament auslöst so stark, dass die Menschen kein Maß mehr finden. Sie arbeiten sich zu Tode und schaden damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihrer Umgebung. Der Pharmaindustrie ist bekannt, dass Jack ihre Produkte kopiert. Als ihnen bewusst wird, dass das Produkt erhebliche Mängel aufweist, setzen sie alle Hebel in Bewegung, um die Schuld von sich zu weisen.  Sie behaupten, die von ihnen hergestellten Pillen seien schadlos. Doch Jack weiß es besser. Der Fehler liegt bei Zazy. Mithilfe der Untergrundorganisation erstellt Jack ein Gegenmittel für das arbeitssüchtig machende Medikament. Jack wird zur „most wanted person“ und erbarmungslos gejagt. Doch jahrzehntelange Erfahrungen im Bodensatz der Pharmaindustrie machen Jack stark. Ein unerbittlicher David gegen Goliath – Kampf begleitet Jacks Flucht und den Kampf um Autonomie!

FISCHER Tor

Paperback

übersetzt von: Birgit Herden

352 Seiten Preis € (D) 14,99

ISBN: 978-3-596-70258-9

Annalee Newitz ist amerikanische Journalistin und Autorin. Ihre Artikel erschienen u.a. in »Popular Science« und »Wired« und brachten ihr ein Stipendium des Massachusetts Institute of Technology ein. Seit 2004 ist sie Analystin der Electronic Frontier Foundation. Zwischen 2008 und 2015 hat sie das Internetmagazin »io9« redaktionell geleitet, seit 2016 ist sie Redakteurin für Technik und Kultur des Internetmagazins »ars Technica«. »Autonom« ist ihr erster Roman.