Sein Leben Als Kämpfer gegen den IS – ein gewaltiges Werk!

Schnörkellos und ungeschminkt beschreibt Azad Cudi in diesem buch nicht nur seine Erfahrung, die er als Scharfschütze im Kampf gegen den IS machte, sondern auch als anerkannter Flüchtling in England und Schweden. Vor allem aber strömt aus diesem buch eine grenzenlose Hoffnung auf Frieden und Freiheit.

Kurden waren unter Chomeini nicht mehr (oft auch weniger) als geduldet. Bedingt durch das feministische, freiheitliche denken seiner Mutter empfand Azad schon früh eine feindliche Einstellung gegenüber der iranischen Regierung. Die Kurden, ein Jahrtausende altes Volk mit tiefen, naturverwurzelten Traditionen, sind aktuell heimatlos. Annektiert sind ihre Gebiete von drei fundamentalistischen Staaten. Einzig in Syrien sind sie anerkannt. Erdogan in der Türkei verfolgt sie seit Jahrzehnten und bezeichnet sie als Terroristen. Der Anführer der PKK (kurdische Freiheitsbewegung im Untergrund) Abdullah Öcalan hat sich freiwillig ins Gefängnis begeben, die PKK einen Waffenstillstand ausgerufen, doch Erdogan geht nach wie vor mit aller Härte und auch militärisch gegen die Kurden vor! Ja und leider entzog sich auch Mitteleuropa nicht dem türkischen Einfluss und bezeichnet die PKK als Terrororganisation. Doch der unbeschreiblich zähe und mutige Einsatz dieser vermeintlichen Terrororganisation gegen den IS in Syrien hat, so hoffe ich, nachhaltig das Bild der Kurden gewandelt.

Azad ist 19 Jahre alt, als er während seines Militärdienstes im Iran auf Kurden schießen soll. Er soll Mitglieder der PKK aufspüren und sie töten. Azad desertiert, flieht und landet nach einer teuren und aufwendigen Flucht als 20-Jähriger in Leeds, einer Kleinstadt in England. Sein Asylantrag wird anerkannt. Er lernt die Sprache und Kultur kennen, integriert sich. Und doch ist in ihm eine unsagbare Leere. Azad zieht nach Schweden und arbeitet für einen Nachrichtensender. Als sich der Krieg des IS gegen den Rest der Welt auf seine Heimat fokussiert, hält ihn nichts mehr in Europa. Er fährt nach Syrien und lässt sich von der PKK als Scharfschütze ausbilden. Er möchte seine Heimat und die säkuläre, demokratische Ideologie Öcalans retten und voranbringen. Es geht ihm um nicht mehr und nicht weniger als um Frieden und Freiheit. Im Mittelpunkt steht dabei die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Das hört sich vielleicht abgedroschen an, ist jedoch dreh- und Angelpunkt und die starke Säule einer Gesellschaft, in der das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht. Die Gemeinschaft in der PKK empfindet Azad als heimische Wonne, die ihn all die Grausamkeiten des Krieges ertragen lässt. Den langen, blutigen Häuserkampf des IS gegen die Kurden beschreibt Azad in diesem Buch sehr eindringlich. Zwar gab es Hilfe aus der Luft durch die Amerikaner, Briten und Franzosen. Doch den eigentlichen, schmutzigen und blutigen Kampf fochten die Kurden (die vermeintlichen Terroristen) aus.

Ein „Danke“ seitens der mitteleuropäischen Politik habe ich aber bisher nicht vernehmen können. Haben die etwa immer noch Angst vor dem türkischen Kalifat?

Hardcover, Droemer HC
296 S., 17,99 €
ISBN: 978-3-426-27770-6

Azad Cudi, Jahrgang 1983, wurde im Iran geboren. Als Kurde musste er aus seiner Heimat fliehen, wurde britischer Staatsbürger und arbeitete als Radiojournalist in Westeuropa. Als 2011 der syrische Bürgerkrieg ausbricht und die Kurden eine autonome Enklave bilden, gibt Azad sein altes Leben auf und geht nach Syrien, um sich für sein Volk sozial zu engagieren. Doch der Krieg weitet sich aus, die Bedrohung durch den IS wird größer. Azad trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er schließt sich der kurdischen Miliz (und somit der internationalen Anti-IS-Koalition) an und wird Scharfschütze. Heute lebt Azad in London und Brüssel. „Azad“ bedeutet „frei“ – dieser Name steht für Azads Traum: ein freies, unabhängiges Kurdistan.