Auch wenn um den desolaten Zustand unseres Heimatplanetens immer noch lieber Geheimnisse gemacht werden, so lässt sich die Wahrheit kaum mehr verheimlichen. Und um ein Endzeitszenario, dessen Ursache die gnadenlose gier einiger weniger Menschen ist aus einer Generation ist, machen dann auch ebenso gierige Filmproduzenten doch lieber einen Bogen. Volker Lüdecke verknüpft in Morignone geschickt dies- und jenseitige Elemente und lässt dabei nicht nur die Wissenschaft sprechen. Sehr gute Unterhaltung mit „hard stuff“.

Maria ist eine junge, hübsche Studentin, die in Wien Geowissenschaften studiert und zwar aus Leidenschaft und mit Überzeugung. Sie wächst als Einzelkind behütet und umsorgt in einem kleinen Schweizer Burgdorf auf. Der Ort war die Idylle pur. Eines Tages wird das Dorf zwangsevakuiert. Die Bewohner haben kaum Zeit, das Nötigste zu packen. Der Ort sei bedroht, von Bergmassen verschüttet zu werden, so heißt es von der Behörde. Maria zieht mit ihren Eltern ins Nachbardorf, wo sie hoffnungsvoll darauf wartet zurückkehren zu können. Doch die Jahre vergehen und die Hoffnung schwindet. Obschon die vermeintliche Katastrophe ausbleibt, der Berg hält, wird das Dorf zum Sperrgebiet. Die Häuser verkommen zu Ruinen, die Natur holt es sich zurück. Das übervorsichtige Handeln der Schweizer hat seinen Grund. Jahre zuvor hatte sich in Italien eine Tragödie abgespielt, Morignone, ein kleines italienisches Bergdorf wurde von herabstürzenden Felsmassen verschüttet und das ganze Dorf ausgelöscht. Sicher ist sicher, dachten daher die Schweizer, als sie ähnliche Korrossionsschäden, durch den Klimawandel verursacht, an ihren Bergen feststellten. Maria möchte die Wahrheit erfahren über die eigentliche Ursache dieser Bedrohung. Während ihres Studiums begibt sie sich mit ihren Kommilitonen und ihrem Professor in die Gegend Morrignones, um anhand von Gesteinsbohrungen der Wahrheit näherzukommen. Ihr Freund Vittorio begleitet sie. Ein Unwetter zieht herauf, der Fels wird so glitschig, dass Maria nach einem Gerangel mit Vittorio ausrutscht. Sie fällt so unglücklich, dass sie sich schwer am Kopf verletzt. Maria wird ins nächste Krankenhaus gebracht und fällt trotz der Anwendung modernster Medizin ins Koma. Während ihrer vermeintlichen Bewusstlosigkeit gerät Maria in eine Parallelwelt, die sie als erstaunlich real empfindet und zu der sie eine tiefe emotionale Bindung aufbaut. Die einzige Verbindung zu ihrem Leben in der „Realität“ ist ihr Freund Vittorio, der auch dort an ihrer Seite steht. Der Ort ist ausgerechnet das vermeintlich verschüttete Bergdorf Morignone. Die Bewohner nimmt Maria zwar zunehmend surreal wahr, bezweifelt jedoch nicht deren Realität. Während Freunde und Verwandte verzweifelt versuchen, sie auf diese Welt zu locken, kämpft Maria ihren eigenen Kampf mit Emotionen zu Menschen, die ihr im hier und Jetzt nur vage bekannt sind.

Verlag neobooks, 2018

14,99 €

ISBN 13-978-3746741215

VolkerLüdecke wurde 1961 in Hannover geboren, machte dort sein Abitur und leistete den Zivildienst in der Jugend und Drogenberatung. 1983 kam er nach Berlin, um eine Ausbildung im Bereich der Darstellenden Künste zu machen, wobei er als Schauspielschüler an der Fritz-Krichhoff-Schule aufgenommen wurde. Dort lernte er zwei Jahre lang, bis er an der HdK in ein einjähriges Theaterprojekt einstieg. Schreiben lernte er zuerst autodidaktisch als Songschreiber, ab 1986 als Student des damaligen Projektstudiums „Szenisches Schreiben“. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit dem Autor und Sponsor Wolfgang Fehse das „Theater der Autoren“. 1997 erhielt er für sein 1995 im Verlag FBE erschienenes Theaterstück Darja den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis.  2019 arbeitete Volker Lüdecke mit dem kurdisch-deutschen Theaternetzwerk Nexus zusammen und schrieb für das Fringe-Ensemble in Bonn zwei Bühnenmonologe. Seine Krimireihe mit dem Titel Kommissar Katzorke, seine Erzählungen und Kurzgeschichten sind bei Amazon und im Deutschen Buchhandel als E-Books und Taschenbücher erhältlich.

Von seiner Romanserie Morignone sind bisher drei Bände als E-Books erschienen, sowie zwei Taschenbücher, der erste als Doppelband.