Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme

2018 hat die Welt noch nie so viel Treibhausgase ausgestoßen wie zuvor. Trotz 30 Jahre meist vergeblicher Arbeit eines Weltklimarates, der sich bislang, aller Warnsignale zum Trotz, der Lobby von Industrie und Energieriesen beugte.

Erfrischend leidenschaftlich kommt Friederike Otto in ihrem Buch „Wütendes Wetter“ daher, denn es liest sich stellenweise wie ein Psychothriller. Leider ist der Inhalt aber nicht erfunden, sondern beruht auf nackten Tatsachen. Und diese Tatsachen hat Friederike Otto mit einem kleinen Team von Wissenschaftlern erst einmal mit Fakten und Zahlen belegen müssen, um der breiten Schar der Klimawandel-Ignoranten und Leugner die Stirn bieten zu können.

WWA – World-Weather-Attribution – wurde vor fünf Jahren gegründet und arbeitet seitdem weltweit an sogenannten Attributionsstudien. Anhand von, zugegeben, aufwändigen Computersimulationen kann die WWA herausfinden, inwiefern und in welchem Maße der Klimawandel an Wetterkatastrophen beteiligt ist und war. An dem Beispiel des Hurrikan Harvey, der im August 2017 in Houston (Texas) sein verheerendes Unwesen trieb, erklärt die Autorin ihr Vorgehen. Zwar sind die Hurrikane selbst und auch für die WWA noch nicht berechenbar. Dennoch ist, wie hier im Fall von Harvey zum Beispiel, die gigantischen Regenmengen und Überschwemmungen sehr genau zu analysieren. Entgegen anderer wissenschaftlicher Methodik, die dem langwierigen Peer-Review – Prüfungsprozess standhalten müssen, traut sich die WWA oft schon nach kurzer Zeit innerhalb des Geschehens mit ihren Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Die bange Frage, ob der Klimawandel für dieses oder jenes Wetter-Desaster wie Hitzewelle, Dürre, Überschwemmung und so weiter, verantwortlich war7ist, kann von der WWA in den meisten fällen sehr präzise beantwortet werden. Durch Klimawandel-Simulation ist es möglich, die Wetterentwicklung auch ohne die Verschmutzung der Erde durch den Menschen während der letzten gut 100 Jahre zu beobachten und darzustellen. Vor allem die amerikanischen Ölmultis wie Exxon sind solche nackten Tatsachen natürlich ein Dorn im Auge. Es verhindert nämlich, dass die von ihnen eingesetzten und finanzierten Söldner, die in Amerikas Denkfabriken durch Fake-News den Klimawandel verleugnen lassen, glaubhaft bleiben. Nicht alles ist dem Klimawandel geschuldet. Auch das beweisen die Attributionsstudien. Manchmal bewirkt der Wandel sogar Positives. Doch insgesamt sind die Prognosen düster, wenn wir so weitermachen wie bisher. Aber vor allem, wenn die Politik nicht wirkungsvolle Maßnahmen ergreift, um die Erderwärmung zu mindestens unter 2 Grad zu halten und damit den Wandel zu verlangsamen. Da diese weltweiten Maßnahmen sein müssten, schwinden die Hoffnungen gen Null. Seit Trump Amerika regiert, wird der Klimawandel ausdrücklich geleugnet und das Geld stattdessen in Rüstung und in den barbarischen Kampf gegen Flüchtlinge gesteckt. Na ja, schließlich liegen die Wetterkapriolen wie der Hurrikan Harvey laut Trump einzig „in Gottes Hand“. Na dann, Halleluja Amerika, Goodbye Menschheit!

  • Politik/Internationale Politik Naturwissenschaften/Popular Science
  • Ullstein Hardcover
  • 240 Seiten, 18,- €
  • ISBN-13 9783550050923

Friederike Otto, geb. 1983, ist Physikerin, promovierte Philosophin und leitet als stellvertretende Direktorin das Environmental Change Institute in Oxford. Sie untersucht Wetterphänomene und hat vor fünf Jahren die neue wissenschaftliche Ausrichtung Attribution Science, zu Deutsch: „Zuordnungswissenschaft” mitbegründet.