Dieses Buch geht gnadenlos unter die Haut. Dabei ist weniger die Geschichte selbst, die erschüttert, sondern eher die Verlorenheit in grenzenloser Angst, welche die Handlung bestimmt. Stoisch, pragmatisch – hoffnungslos – Ursula Posznanskis Stil fällt angenehm durch alle sonstigen Thriller Gitter. Das Buch war mir ein spannungsgeladenes Vergnügen und bis zur letzten Seite unvorhersehbar.

Carolin Bauer lebt inkognito als Blumenbinderin in einem Laden am Wiener Zentralfriedhof. Ihre alte Identität liegt, als Sandsack getarnt, begraben auf einem Frankfurter Friedhof. Sie war als U-Boot im Auftrag der Polizei in eine extrem brutale und gefährliche russische Bande eingeschleust worden. Doch ihre Tarnung flog auf und kostete sie fast ihr Leben. Die einzige Möglichkeit, sie vor der Rache der Russen zu retten, war, sie für tot zu erklären und ihr im Ausland eine neue Identität zu verschaffen. Wien, der Friedhof und die Blumen haben eine fast therapeutische Wirkung auf Carolin. Die schrecklichen Ereignisse in Frankfurt geraten zunehmend in den Hintergrund. Doch eines Tages kreuzt ihr Kontaktmann von der Frankfurter Polizei, Robert, in Wien auf. Sie solle, um die Sicherheit ihrer neuen Identität wahren zu können, einen Auftrag in München übernehmen, wieder als U-Boot mit anderer Identität. Im Münchener Baugewerbe würden drei Firmen miteinander konkurrieren. In zweien dieser Firmen gäbe es in letzter Zeit auffällig viele ungeklärte Unfälle mit Todesfolge. Die dritte Firma stände im Verdacht, ihre Finger im Spiel zu haben, um die Konkurrenz zu schädigen. Der Plan sei, Carolin als Nachbarin der Tochter des Besitzers der verdächtigen Firma Lambert, in München einzuschleusen. Sie solle sich mit ich anfreunden, um die Familienverhältnisse zu durchleuchten. Nur sehr widerwillig lässt sich Carolin darauf ein, denn in Wien fühlt sie sich sicher. Robert versichert ihr, die Russenbande im Auge zu haben und sie rechtzeitig zu warnen. Da weder Handy noch Internet abhörsicher sind, haben sie für den Notfall Botschaften durch Blumengrüße vereinbart. Anhand der Bedeutung der Blumen soll Carola die Lage deuten. Der Kontakt zu der Lambert – Tochter lässt sich erstaunlich unkompliziert bewerkstelligen. Nahezu bereitwillig führt sie Carola in die Bauunternehmer-Szene ein und stellt sie ihrer Familie vor. Die Todesfälle auf den Baustellen reißen nicht ab. Schlimmer noch, sie scheinen sich auf das engste Umfeld der Familien auszudehnen. Akribisch recherchiert Carola in den Familienchroniken. Sie stößt dabei auf ein Ereignis, dass zwei Generationen zuvor geschah und sich wie ein Giftstachel durch die folgenden Generationen bohrte, um sich dann in der Person der Lambert – Tochter als gewaltiger Explosion zu entladen. In allerletzter Minute begreift Carolin, dass sie nicht nur Spielball der Lambert-Tochter, sondern auch der Frankfurter Polizei, ist. Roberts letzter Blumengruß sind Tagetes – Totenblumen.

Klappenbroschur, Knaur HC
384 S., 14,99 €
ISBN: 978-3-426-22686-5

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, wo sie mit ihrer Familie auch heute lebt. Die ehemalige Medizin-Journalistin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache: Mit ihren Jugendbüchern (von «Erebos» bis «Thalamus») steht sie Jahr für Jahr ganz oben auf den Bestsellerlisten, ihre Thriller für Erwachsene erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit. Nun hat sie eine der ungewöhnlichsten Heldinnen der Kriminalliteratur geschaffen – eine Blumenhändlerin mit dunkler Vergangenheit…