Gabriele Beuer schickt uns mit „Das Haus der gefallenen Töchter“ auf eine sphärische Zeitreise nach Köln ins 15. Jahrhundert. Liebevoll und detailliert, gepaart mit eine Brise Humor, beschreibt sie das illustre Treiben in dieser Stadt, in der es allerdings zu dieser zeit alles andere als lustig zuging. Zumindest für eine Frau, die wie Gabrielle Breuers Hauptfigur Jenna ohne nennenswerte Lobby schon mal leicht unter die Räder geraten konnte.

Jenna ist eine selbstbewusste junge Frau. Obschon ihr Vater, nachdem die Mutter starb, sie mit einem grobschlächtigem, griesgrämigen Schmied verheiratetet, macht sie das Beste daraus. Ihre eigentliche Leidenschaft ist die Heilkunst nach Hildegard von Bingen. Ihr Onkel, ein Mönch, vermachte ihr nach seinem Tod die Bücher und schriftlichen Anleitungen dazu. Schon bald sprechen sich ihre Heilkünste bei den Nachbarn herum und sie wird wegen aller möglichen Wehwehchen konsultiert. Doch nach einem Unwetter, das die Ernte vernichtet und anderer Widrigkeiten, kippt die Stimmung dramatisch gegen sie. Jenna wird der Hexerei beschuldigt. Ihr Mann verbannt sie und die Dorfbewohner jagen sie mit Steinwürfen aus dem Dorf. Schwer verletzt und ohnmächtig wird sie von einer Gruppe Schaustellern auf der Straße gefunden. Sie nehmen sich ihrer an und pflegen sie gesund. Diese bunte, fröhliche Truppe ist so ganz anders wie alles, was Jenna bisher kennengelernt hat. Besonders von dem Gaukler Amando fühlt sie sich angezogen. Für ihn ist Jenna ein Geschenk des Himmels. Doch Amandos Mutter, eine Seherin, hat Bedenken bezüglich dieser Beziehung. Aber jenna lässt sich nicht beirren. Ihr Ziel ist es, ihr Leben mit Amando in der Gruppe der Schausteller zu verbringen und dabei ihre Heilkunst anzubieten. Als sie in Köln auf der suche nach besonderen Kräutern unterwegs ist, gerät sie in eine Falle. Eine Kupplerin lockt sie in eine schäbige Kaschemme, wo sie, gegen Geld, sich einem Freier hingeben soll. Jenna gelingt die Flucht, doch sie wird gefasst und in einem der zahlreichen Türme eingesperrt. Die Anklage lautet auf Diebstahl und verurteilt wird sie zum Verlust eines Ohres. Als das urteil vollstreckt werden soll, ist Amando unter den Zuschauern. Mit einem geschickten Messerwurf gegen den henket, verhindert er die Vollstreckung. Amando kann fliehen. Jenna jedoch wird in ein sehr spezielles Haus verbracht, dem Haus für gefallene Töchter, das kürzlich durch die großzügige Spende eins reichen Kölner Ratsmitgliedes errichtet wurde. Die „heilige Stadt“ Köln soll von huren gesäubert werden. Dorthin wurden die Frauen und Mädchen eines der bekanntesten Kölner Bordelle zwangseingewiesen. Unter der sadistischen Fuchtel einer Nonne, die das Haus leitet, sollen die Frauen dort solange Buße tun, bis sie wieder auf den „rechten Weg“ geführt seien. Der reiche Kaufmann jedoch, der das Haus stiftete, hat jedoch eher ein persönliches Anliegen an all dem. Er ist in eines der Mädchen verliebt und möchte sie nach gelungener Buße zu sich ins Haus nehmen. Doch zuvor muss er sich noch seiner ungeliebten Ehefrau entledigen.

  • Historischer Roman
  • Ullstein Taschenbuch
  • 400 Seiten, 10,- €
  • ISBN-13 9783548290799

Gabriele Breuer, geboren 1970, lebt mit ihrem Mann und Sohn in Köln. Sie arbeitet in einem Seniorenheim und schreibt nur in ihrer Freizeit.