Mit ihrem dritten band „Krähentod“ um die beiden schrägsten Mordermittler, die mir jemals literarisch begegneten, schreibt sich Katja Bohnet in den Meisterhimmel der Dramaturgie hinein. Wie ein Virtuose am Instrument beherrscht sie die Sprache und zaubert aus ihr Szenarien, die weder Bilder noch Bühne benötigen. Großartig!

Viktor Saizew und Rosa Lopez ermitteln für das LKA Berlin in Sachen Mord. Saizew, der sich von einer Hirn-OP noch nicht ganz erholt hat, macht „Urlaub“ in seiner alten Heimat Russland. Seine Großmutter Mila, ihr Freund, seine Frau und deren Tochter begleiten ihn nach Moskau. Doch schon beim betreten des Moskauer Flughafens beginnt für Viktor der erste Akt eines nicht enden wollenden Dramas, das seinen alptraumhaften Moskauaufenthalt einläutet. Unmittelbar neben ihm wird ein russischer Journalist per Kopfschuss ermordet. Er und eine junge Punkerin werden von dem Moskauer Mordermittler Rustan Komarow vernommen. Er zeigt Viktor einen alten Haftbefehl gegen ihn aus einer Zeit, bevor er mit seiner Großmutter aus Russland floh. Viktor ist verzweifelt. Überraschend stellt sich heraus, dass Zoya, die Punkerin, Beziehungen in die höchsten Kreise der russischen Politik hat. Ihr Freund ist der gehörlose Sohn des russischen Präsidenten. Ein Anruf genügt und beide sind wieder frei. Doch Zoya möchte eine Gegenleistung. Jahre zuvor wurden Zoya und ihr damaliger Freund, Zoyas große Liebe, grundlos verhaftet und ins Arbeitslager gesteckt. Die gefakte Anklage lautete, ihr Freund sei homosexuell. Kolja, der Sohn des Präsidenten, holte Zoya nach einem Jahr der Demütigungen aus dem Lager heraus. Doch von ihrem Freund fehlt seitdem jede Spur. Viktors Aufgabe sei es, ihn zu finden, dann würde Zoya den Haftbefehl gegen Viktor verschwinden lassen. Während Viktors Familie es sich in der Nobelhütte eines Moskauer Verlegers, der sie einlud, gemütlich macht, gerät Viktor immer tiefer in den Strudel und die Wirrnisse der russischen Politszene. Weitere Morde, die auf den gleichen Täter deuten, geschehen. Erneut wird Viktor von Rustan Komarow verhaftet, als Mordverdächtiger. Gleichzeitig wird in Berlin eine russische Journalistin auf offener Straße ermordet, mit einem Kopfschuss aus der gleichen Waffe. Als ihre Leiche spurlos aus der Rechtsmedizin verschwindet, wird Lopez aus ihrer Elternzeit geholt und nach Moskau zitiert. Zunächst gelingt es ihr, Viktor aus der russischen Haft zu befreien. Sie finden auch die vermisste Leiche, aufgebahrt und beerdigt auf dem roten Platz. Zoya wird als Drahtzieherin der Demo entlarvt und verhaftet. Alle Mordopfer sind Journalisten und arbeiten für „Predvidenje“, einer Pressestelle, die im Auftrag der russischen Regierung Fake-News verbreitet, die deren Image nutzt. Der Leiter dieser Unternehmen ist der Gastgeber von Viktors Familie. Zoya, die Punkerin, wird im Knast ermordet, der Sohn des Präsidenten nimmt sich das Leben, Viktors Frau wird aus Versehen ermordet und der Mörder setzt sich als Frau verkleidet nach Berlin ab. Als Viktor und Lopez nach Berlin zurückehren ist nichts mehr wie zuvor, das Leben ist aus den Angeln geraten.

Klappenbroschur, Knaur TB
400 S., 14,99 €
ISBN: 978-3-426-52232-5

Katja Bohnet, Jahrgang 1971, studierte Filmwissenschaften und Philosophie, bevor sie ihr Geld mit Fahrradkurier-Fahrten, Porträtfotos und Zeitungsartikeln verdiente. Sie lebte im Südwesten der USA, in Berlin und Paris, arbeitete im Kibbuz und bereiste vier Kontinente. Jahrelang moderierte sie eine Livesendung auf der ARD und schrieb als Autorin für den WDR. 2012 verfasste sie ihren ersten Roman. Ihre Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. im Rahmen des MDR Literaturwettbewerbs 2013. Heute lebt sie neben vielen Büchern, Platten und Kindern zwischen Frankfurt und Köln.