Beeindruckend! Das Besondere an Claire Kendals Thriller „Die zweite Schwester“ ist sein raffinierter Aufbau. Was als sanfte Brise beginnt, entwickelt Kandel geschickt zu einem windstarken literarischen Orkan, well done.

Ella (Melanie) ist eine wirklich taffe, bildhübsche Frau. Sie ist 30 Jahre alt, erteilt meist weiblichen Opfer von Gewalt nicht nur theoretische sondern auch praktische Unterstützung. Sie bringt ihnen bei, sich körperlich wirksam zu wehren. Zehn Jahre zuvor verschwand ihre heißgeliebte Schwester Miranda spurlos. Sie hinterließ einen wenige Monate alten Sohn, den sie, daran glaubt Ella fest, niemals verlassen hätte. Die Eltern, Ella und Mirandas Sohn Luke leben seitdem in tiefer Ungewissheit über Mirandas Verbleib. Liebevoll nehmen sie sich Luke an. Doch die Umstände ihres Verschwindens hinterlassen so viele offene Fragen. Als nach 10 Jahren ein Karton mit Hinterlassenschaften aus der Asservatenkammer der Polizei an die Familie übergeben wird, ist Ella entschlossen auf eigene Faust zu recherchieren. Der Karton beinhaltet unter anderem ein Telefonbuch mit Nummern, Namen und Adressen, von denen ihre Schwester ihr nie erzählt hat. Einige Notizen weisen darauf hin, dass Lukes Vater Mirandas große Liebe war. Er war und ist der große Unbekannte für die Familie. Während der Zeit, in der Miranda verschwand, trieb ein Sexualstraftäter sein Unwesen, der einige Zeit später gefasst und überführt wurde. Er bestreitet jedoch, etwas mit Mirandas Verschwinden zu tun zu haben. Auf einer Party lernt Ella einen umwerfend gutaussehenden Psychiater kennen. Er ist der behandelnde Arzt des Straftäters, den Ella hartnäckig verdächtigt, ihre Schwester entführt zu haben. Der Psychiater scheint einen Narren an Ella gefressen zu haben und stellt ihr einen Besuchstermin bei ihm in Aussicht. Gleichzeitig findet Ella die Adresse von Lukes Vater heraus. Dort trifft sie auf eine ältere Dame, die nach einigem Zögern zugibt, Lukes Großmutter zu sein. Ihr Sohn sei ein sogenannter „Deep Swimmer“. Ein sehr geheimer Agent der Regierung, dessen Aufträge so vertraulich seien, dass selbst nahe Angehörige manchmal über Jahre ncht wissen, wo oder ob diese noch leben. Ella nimmt das Angebot des Psychiaters an, ihren hauptverdächtigen, den Sexualstraftäter, persönlich zum verschwinden ihrer Schwester zu befragen. Nach zwei Terminen ist ihr klar, dass er zwar gefährlich durchgeknallt ist, jedoch wohl als Täter nicht in frage kommt. Ein Privatbesuch bei dem Psychiater wird Ella dann zum Verhängnis. Es stellt sich heraus, dass ihre Schwester zehn Jahre zuvor mit ihm ein Verhältnis hatte, aus dem sie sich hat lösen wollen.  Er lockte sie in eine Falle und versteckte sie in seinem Haus. Wegen der großen Ähnlichkeit, die Ella mit Miranda hat, versuche er die Beziehung zu ihrer Schwester fortzusetzen, da diese tragischerweise starb. Ella ist entsetzt. Nur durch Anwendung ihres gesamten Selbstverteidigungsreservoirs ist sie in der Lage, ihn auf Abstand zu halten. Doch plötzlich taucht ein Mann auf, sehr diskret und sehr geheim, es ist Lukes Vater.

  • Psychothriller, Taschenbuch
  • Ullstein
  • 480 Seiten, 10,- €
  • Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger.
  • ISBN-13 9783548290775

Claire Kendal wurde in den USA geboren und ist in England aufgewachsen. Sie unterrichtet Literaturwissenschaft und Kreatives Schreiben und lebt mit ihrer Familie im Südwesten Englands. Ihr erster Psychothriller Du bist mein Tod erschien in fünfundzwanzig Ländern und war ein weltweiter Bestseller.