Dem, der glaubt, das Thema Adolf Hitler und die Zeit des Nationalsozialismus sei hinreichend und von allen Seiten beleuchtet worden, kann nur widersprochen werden. Denn Andreas hat tatsächlich mit seinem Buch „NSA“ aufgezeigt, dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können. Er verpflanzt auf brillante Art und Weise den jetzigen Stand der Kommunikationsmöglichkeiten, als Internet (Weltnetz) und Handy (Votel) in die Zeit des 2. Weltkrieges und lässt Hitler den Krieg gewinnen. Überwachung vom Allerfeinsten und ein bedrückendes Szenario vor dem Hintergrund, dass der Ungeist des Faschismus nicht nur in Deutschland wieder Einzug in die Parlamente gehalten hat. NSA erscheint also fiktiv, beim genaueren Hinschauen müssen wir allerdings zugeben, dass wir von den Zuständen, die Eschbach hier schildert, nicht weit entfernt sind. Wir sind fast schon so „gläsern“, wie er es beschreibt und das ist nicht nur wegen des aktuellen Zeitgeschehens einfach erschreckend.

Helene, jung und eher von unauffälligem Äußeren, ist Programmiererin beim NSA (Nationales Sicherheitsamt) in Weimar während des 2. Weltkriegs. Sie macht ihren Job richtig gut. Doch nach und nach erkennt sie, welchem Zweck ihre Programme wirklich dienen, nämlich einzig und allein der Überwachung des Volkes auf Linientreue und der Ausspähung des Feindes, also Juden, Kommunisten, Opportunisten – die Liste ist lang. Jeder Bürger wird mit einem sogenannten Votel ausgestattet. Das Bargeld wird abgeschafft, Zahlungen finden ausschließlich elektronisch statt. Die offizielle Begründung dafür lautet, dass dieses Vorgehen Korruption verhindert. In Wirklichkeit lässt sich dadurch allerdings die Überwachung der Bürger bis in den letzten Winkel sicherstellen. Das „Komputer-Netz“ ist ein weiterer gut ausgebauter Spähbereich. Und selbst der Fernseher hat Augen und Ohren. Für Helene, die aus einem linientreuen, gut betuchten Hause stammt, ändert sich ihr ganzes Leben von einem tag auf den anderen. Sie verliebt sich in einen fahnenflüchtigen Soldaten, dem gute Freunde von Ihr, ein sicheres Versteck bieten. Wochen und Monate der Angst folgen. Denn sie weiß, dass ihr Programm auch dieses Versteck finden könnte. Um nicht schwanger zu werden, klaut sie ihrem Kollegen, einem Analysten der NSA, Kondome aus dessen Büro. Auf den Besitz, Erwerb und die Benutzung von Kondomen stehen in Deutschland hohe Strafen. Der Kollege erwischt sie, verlangt jedoch für sein Schweigen, dass Helene ihm das Programmieren beibringt. Programmieren ist im Hitler-Deutschland nämlich Frauensache. Der Analyst, ein Macho-Vorzeigeexemplar der Güteklasse AAA erhofft sich durch diese Kenntnisse einen Rachefeldzug gegen vier Frauen unentdeckt durchführen zu können. Die Frauen haben ihm, so findet er, in seiner Jugend ein schweres Trauma zugefügt. Bei seinen Recherchen stößt er auf geheime Pläne amerikanischer Wissenschaftler zum Bau einer Atombombe, die er der Führung meldet. Helenes Eltern, die natürlich nichts von ihrem Freund wissen, verkuppeln sie mit einem grottenhässlichen Oberligisten des SS-Geheimdienstes. Helene stimmt der Ehe unter der Bedingung zu, dass ihr Freund unverzüglich nach Brasilien verbracht wird. Der Deal steht. Doch Helenes Plan, ihm nachzureisen, scheitert. Hitler gewinnt den Krieg, weil die deutschen die amerikanischen Pläne zum Bau einer Atombombe nutzen. Der Zucht der „Deutschen Rasse“ steht nun nichts mehr im Weg. Der widerspenstigen Helene wird ein Chip implantiert, so dass auch sie nun den Führer innigst liebt. Ja denn, Heil Höcke!

BASTEI LÜBBE
HARDCOVER
796 SEITEN, 24,99 €
ISBN: 978-3-7857-2625-9

Andreas Eschbach, geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr.
Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma.
Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung “für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs” schrieb er seinen ersten Roman “Die Haarteppichknüpfer”, der 1995 erschien und für den er 1996 den “Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland” erhielt. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller “Das Jesus-Video” (1998), der im Jahr 1999 drei literarische Preise gewann und zum Taschenbuchbestseller wurde. ProSieben verfilmte den Roman, der erstmals im Dezember 2002 ausgestrahlt wurde und Rekordeinschaltquoten bescherte. Mit “Eine Billion Dollar”, “Der Nobelpreis” und zuletzt “Ausgebrannt” stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Thriller-Autoren auf.
Nach über 25 Jahren in Stuttgart lebt Andreas Eschbach mit seiner Familie jetzt seit 2003 als freier Schriftsteller in der Bretagne.