Es ist nun schon einige Jahre her, dass mir Doyle Bramhall II zum ersten Mal auffiel, es war bei einem Konzert von Eric Clapton und mich begeisterte von Anfang an, sowohl sein virtuoses Gitarrenspiel, als auch die unglaubliche Harmonie zwischen ihm und Eric. Schon damals hatte ich mir vorgenommen, irgendwann einml etwas zu ihm zu veröffentlichen und nun ist es soweit, nachdem mich nun sein neues Album Shades erreichte.

 

Nun, wer ist Doyle Bramhall II? Seit 2000 sind Eric Clapton und er auf der Bühne und im Studio ein unzertrennliches Team. Auch andere Größen wie  Roger Waters, T-Bone Burnett, Elton John, Gregg Allmann, Allen Toussaint, Sheryl Crow, Billy Preston, Dr. John, Michael McDonald, Erykah Badu, Questlove oder Meshell Ndegeocello schätzen das Talent des einzigartigen Gitarristen, Singer/Songwriters und Produzenten. Er wuchs in Austin, Texas, auf und die Musik war ihm schon in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, der ältere Doyle Bramhall, spielte mit Gitarrist Jimmie Vaughan, einem Freund aus Kindertagen, in der Band „The Chessman“ (die sogar einmal eine Show für Jimi Hendrix eröffnen durfte). Er arbeitete auch mit dessen Bruder Stevie Ray sowie mit Freddie King und Lightnin‘ Hopkins zusammen. Es dauerte nicht lange, bis Doyle Junior seine erste Gitarre in Händen hielt und mit seinem Vater jammte.

Im Alter von 15 Jahren schloss er sich mit den Vaughan Brüdern zusammen („Sie waren wie eine Familie für mich.“), spielte in verschiedenen Bands und verdiente bei Konzerten am Wochenende bis zu 400$.  Im Alter von 18 Jahren folgte er dem Rat von Jimmie Vaughan und stieg bei den Fabulous Thunderbirds ein. Zwei Jahre später, kurz nach dem tragischen Tod von Stevie Ray Vaughan, gründete er mit seinem Kumpel Charlie Sexton aus Austin, die Arc Angels. Die Band, der auch Schlagzeuger Chris Layton und Bassist Tommy Shannon aus Stevie Rays ehemaligen Projekt Double Trouble, angehörten, veröffentlichte 1992 ein starkes, selbstbetiteltes Debüt. Die Gruppe brach jedoch auseinander, bevor ein Nachfolger aufgenommen werden konnte. In der Folge widmete sich Doyle Bramhall II verstärkt seiner Solokarriere und unterschrieb einen Vertrag bei Geffen Records. Die Alben „Bramhall II“ (1996) und „Jellycream“ (1999) folgten und gewannen nicht nur die Herzen von Kritikern, sondern auch von niemand geringeren als Roger Waters und Eric Clapton.

Kurz darauf fand sich Bramhall auf Roger Waters „In The Flesh“-Welttournee (1999-2000) wieder, wo er nicht nur Gitarre spielte, sondern auch die Leadvocals und den Backgroundgesang beisteuerte. Seine Auftritte sind auf der CD / DVD „In The Flesh – Live“ dokumentiert.

Der Bund mit dem Pink Floyd-Sänger hätte vielleicht auch noch länger angedauert, hätte er keinen Anruf von Eric Clapton persönlich bekommen. Das Ergebnis war, das im Jahr 2000 veröffentlichte, mit einem Grammy und Doppelplatin ausgezeichnete Album „Riding With The King“. Darauf ist nicht nur Bramhalls virtuoses Gitarrenspiel zu hören, sondern auch zwei Stücke von „Jellycream“ – „Marry You“ und „I Wanna Be“. Clapton gefielen die beiden Tracks so gut, dass er sie umgehend coverte.

„Riding With The King“ war der Beginn einer inzwischen zwei Jahrzehnte dauernden Partnerschaft von Bramhall und Clapton. Auf Claptons 2004 veröffentlichten Tributalben „Me And Mr. Johnson“ (2004) und „Sessions For Robert J” ist er an der Gitarre zu hören. Eigens geschriebene Stücke von Bramhall integrierte Clapton schließlich auf seinen Alben Reptile“ (2001), „Back Home“ (2004) und „The Road To Escondito“ (2005). Schließlich wurde Bramhall sogar Co-Produzent von „Clapton“ (2010) und „Old Sock“ (2013). Auf der Bühne ist er Claptons feuriger Gitarren-Gegenpart.

Wenn Bramhall einmal nicht mit Clapton auf der Bühne oder im Studio stand, flog er rund um den Globus, um mit anderen Musikern zu arbeiten, die jetzt um seine Aufmerksamkeit buhlten. Unter ihnen war auch Sheryl Crow. Bramhall co-produzierte und schrieb Songs für ihr 2011 erschienenes Album „From Memphis“ und ging anschließend mit Sheryl auf Tour. Auch auf ihrem letztjährigen Album „Be Myself“ steuerte er die Gitarrenparts bei. Außerdem begann er eine langjährige Partnerschaft mit der Tedeschi Trucks Band: er begleitete die Gruppe auf ihren Tourneen und schrieb Songs für die Soloalben ihrer Gründungsmitglieder, Derek Trucks und Susan Tedeschi.

Während seiner Karriere als Sideman und Produzent legte Doyle sein Soloprojekt auf Eis. 2016 kehrte er jedoch mit seinem selbstproduzierten Album „Rich Man“ zurück. Die Texte sind infolge des Todes seines Vaters im Jahr 2011 sehr tiefgründig und persönlich. Zu hören sind glühender Bluesrock, grooviger Southern Soul sowie Elemente des Nahen Ostens, die er auf seinen Reisen nach Marokko und Indien aufgeschnappt hatte.

Die Kritiken zu „Rich Man“ überschlugen sich. American Blues Scene schwärmte, das Album sei ein „großes Hörvergnügen und voller lebendiger und lebhafter Klanglandschaften“. AllMusic meinte, dass Bramhalls erstes Soloalbum nach 15 Jahren auch sein bestes sei. „Es startet explosiv und bleibt explosiv.“

Nun setzt Doyle Bramhall II seine kreative Mission mit seinem fünften Soloalbum „Shades“ fort, der nächste Meilenstein in seiner facettenreichen Karriere. „Shades“ wurde hauptsächlich in Brooklyn und Los Angeles aufgenommen und ist ein faszinierender Mix aus dreckigem Blues, rauem Garagenrock, transzendentem Psychedelic und herzergreifenden Balladen. Als Multi-Instrumentalist, Produzent und Sänger legte er seine eigene Messlatte nochmals um ein Vielfaches höher. Als Texter und Arrangeur folgte er der Stimme seines Herzens.
„Ich nannte das Album ‚Shades‘, nachdem ich nach Fotos dafür gesucht hatte.“, erklärt er. „Schatten können durch Farben und Licht entstehen, aber auch durch Musik und Emotionen. Ich glaube, ein Album repräsentiert immer eine bestimmte Zeit im Leben, so wie ein Schnappschuss. Meine letzte Platte thematisierte eine bestimmte Art von Gefühlen, doch inzwischen bin ich persönlich und emotional an einem ganz anderen Ort angekommen. Viele der Songs handeln von Verständnis und innerem Frieden und es hat lange gedauert, bis ich diesen für mich gefunden habe. Ich hoffe, dass sich die Zuhörer ebenfalls damit identifizieren können.“

Neben Bramhall sind auf „Shades“ Bassist Chris Bruce, Multi-Instrumentalist und Gitarren-Arrangeur Adam Minkoff sowie die Schlagzeuger Carla Azar und Abe Rounds zu hören, mit denen er seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Außerdem schmücken zahlreiche Gastauftritte befreundeter Musiker sein Werk. Eric Clapton darf dabei natürlich nicht fehlen. Sein glühendes Back-And-Forth-Spiel auf dem bebenden, R&B-lastigen „Everything You Need“ lässt die Herzen aller Axe-Gitarrenliebhaber höherschlagen. Auf der anschmiegsamen Ballade „Searching For Love“ standen Doyle Bramhall II und die Pianistin und Sängerin Norah Jones gemeinsam vor dem Mikrofon.

Eine überraschende klangliche Wendung ist das rockige „Live Forever“, für das sich Doyle seine Kumpels aus Austin, die Greyhounds, in Studio geholt hat.

„Shades“ schließt mit einer ehrfürchtigen Version von Bob Dylans „Going, Going, Gone“, ein Juwel aus dessen Album „Planet Waves“ (1974). Doyle hat den Song erst im letzten Jahr mit der Tedeschi Trucks Band bei einem Gregg Allman Tributkonzert gespielt (Allman selbst coverte den Dylan-Klassiker auf seinem letzten Album „Southern Blood“) und glaubte, dass dies das passende Ende für sein Album sein würde.

Shaades ist ein durch und durch überzeugendes und vielschichtiges Album, das von der ersten bis zur letzten Note mitreißt. Er zeigt mit diesem weiteren Meilenstein seiner musikalischen Entwicklung wieder einmal, dass er zu Recht von Musikliebhabern als einer der besten Gitarristen unserer Zeit bezeichnet wird. In diesem jahr kommt er zweimal nach Deutschland, einmal Solo mit eigener Band (ab Mai) und anschließend mit Eric Clapton auf seiner Tournee (Mannheim, Berlin, Wien). Wir werden beides Mal mit dabei sein un sowohl hier, als auch in unserem neuen YouTube – Channel ausführlich berichten.

Tourdates:

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YouTube:

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