Ja, wer hätte das gedacht? Dass wir (die Menschheit), trotz jahrzehntelanger aufwendiger Aufklärung, weltweit erneut in den Strudel rechtsradikaler Propagandisten geraten. Es ist, da pflichte ich Dunja Hayali bei, nicht nur ein partiell deutsches Problem. Das Bangen um demokratische Werte, das bei diesem Buch im Vordergrund steht, ist erschreckend berechtigt und das weltweit!

Die politischen Entwicklungen in der Türkei, Amerika, Brasilien, Ungarn, Polen, Tschechien, Österreich, Italien und auch Bayern (ja, ja, der Freistaat im Süden wünscht sich schließlich auch den Stacheldraht an seiner Grenze zurück) lassen nichts Gutes ahnen. Vom politischen Einlenken bezüglich eines friedlichen Zusammenlebens der verschiedenen Kulturen, die unsere arme geplagte Erde zu Gast hat, ist nichts Nennenswertes zu berichten. Hier möchte jeder sein eigenes Süppchen kochen, in seiner von Vorururteilen, Zäunen und Stacheldraht umgrenzten HEIMAT! Auch soll von dieser Suppe kein Eindringling etwas abbekommen, selbst wenn und obwohl es für alle reichen würde. Mich befällt die Scham, deutsch zu sein, angesichts solch krasser, dummer Propaganda, die nicht nur aus dieser doch vergleichsweise kleinen Zahl deutscher Rechtsextremisten und ihren Parteien (NPD/AfD) ertönt. Leider stimmt auch das, sie sind viel zu laut, unverhohlen, distanzlos und gezielt verletzend. Doch die Justiz scheint, wie seit vielen Jahren gewohnt, immer noch auf dem rechten Auge blind zu sein und das nicht nur in den neuen Bundesländern. Die jüngsten Ereignisse, die sich in der Justizvollzugsanstalt Kleve abspielten, bei der ein unschuldiger Syrer in seiner Zelle verbrannte, lassen diese Blindheit auch in NRW und in den reihen der Exekutive vermuten. Restlose Aufklärung soll erfolgen, aber erst, wenn es schon zu spät ist.  Angesichts der fremdenfeindlichen, antidemokratischen Entwicklung, die allerorten spürbar ist, sind Dunja Hayalis Beschreibungen aus ihrer Kindheit und Jugend schon fast versöhnlich. Sie beschreibt ein Deutschland, das sie und ihre Familie mit Herzlichkeit aufgenommen hat. Es fand, ganz ohne staatlichen Einfluss eine gelungene Integration statt, von der beide Seiten profitiert haben und weiterhin profitieren. Umso befremdlicher fühlt es sich dann sicher an, von einer solchen geballten, hasserfüllten Wut völlig sinnentleerter rechter Propaganda betroffen zu sein. Dunja Hayali ist dabei sicher nicht die einzige Person mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit, die in dieser Form angegriffen und denunziert wird. Doch sie hat den Mut und die Möglichkeit, sich zu wehren. Denn Hilfe seitens der Politik und auch der Justiz scheinen selbst mir in weiter Ferne zu sein. Auch die demokratische Mehrheit in unserem Land ist viel zu leise, harmlos, sittsam und wohlerzogen. Vielleicht erholt sich ja die Rechtsaußen-Blindheit der Exekutive in diesem Land rechtzeitig und wir hören auf, wie die Maus auf die Schlange des Faschismus zu blicken, sondern werden zum Mungo! Doch viel Hoffnung darauf habe auch ich nicht.

  • Politik/Internationale Politik Gesellschaft Streitschriften
  • Ullstein
  • Hardcover mit Schutzumschlag
  • 160 Seiten, 16,- €
  • ISBN-13 9783550200175

Dunja Hayali, geboren 1974 in Datteln als Tochter irakischer Eltern, studierte an der Deutschen Sporthochschule. Zwischen 2007 und 2010 übernahm sie die Moderation der ZDF-heute-Nachrichten sowie die Ko-Moderation des heute journals. Seit Oktober 2007 moderiert sie das ZDF-Morgenmagazin, seit 2015 dunja hayali sowie seit 2018 das ZDF-Sportstudio. Sie unterstützt »Gesicht zeigen. Für ein weltoffenes Deutschland«, ist Mitglied im Aufsichtsrat von »Save the Children« und engagiert sich für VITA Assistenzhunde e.V. Als Jurymitglied für den Julius-Hirsch-Preis setzt sie sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ein. 2016 wurde sie mit der Goldenen Kamera in der Kategorie »Beste Information« ausgezeichnet, 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und für ihre journalistische Arbeit.