S.K. Tremaynes „Mädchen aus dem Moor“ ist, so finde ich, noch einen Ticken brillanter, wie die Vorgänger. Raffiniert führt er in der Geschichte Puzzleteil für Puzzleteil in einem atemberaubend spannenden Gerüst zur Vollendung. Und auch in dieser Geschichte schafft er eine berauschende Naturkulisse.

Adam und Kath führen mit ihrer neunjährigen Tochter ein beschauliches Leben in Dartmoor, das partiell unwirtlich, sagenumwoben und furchtbar nebelig ist. Lyla ist autistisch und findet außerhalb ihrer Familie und den beiden Jagdhunden kaum Kontakt zur Außenwelt. Doch in Dartmoor ist sie gelöst und fröhlich. Kath sorgt sich wegen des Kontaktmangels ihres Kindes, doch Adam möchte, dass sie keinen Druck auf sie ausüben sollen. Das Leben auf dem einsamen Hof ist vor allem während der langen, harten Winter eine Herausforderung. Während ihr Bruder Dan an der sonnigen Küste in Glanz und Reichtum mit seiner Frau Tessa, einer Psychologin, und den beiden Kindern ein ausgesprochen angenehmes Leben führt, müssen Kath und Adam ganz schön buckeln, um ihr bescheidenes Leben zu gestalten. Ihre verstorbene Mutter, eine überspannte skurrile Person, hatte das Testament so ausgerichtet, das Dan das Elternhaus erbt und Kath eine wertvolle Sammlung aus fernen Ländern, die ihre Mutter bereist hatte, erhält. Trotz dieser Ungerechtigkeit grollt Kath der Mutter nicht. Sie nimmt es wie es ist. Doch eines Tages, Anfang Januar erwacht Kath im Krankenhaus. Sie hatte, so glaubt sie, einen Unfall. Sie glaubt, bei Glatteis von der Straße abgekommen zu sein. Sie überlebt diesen Unfall nur knapp. Bedingt durch ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kann sie sich an die Zeit vor dem Unfall nur bruchstückhaft erinnern. Ihr Mann Adam jedoch verhält sich ihr gegenüber nach dem Unfall seltsam distanziert und abweisend. Erst ein Gespräch mit ihrer Schwägerin bringt Klarheit. Schonend erklärt sie ihr, dass sich Kath in ihren Erinnerungen irrt. Nicht nur bezüglich des Wetters. Es gäbe einen Zeugen, der beobachtet habe, wie Kath in einer milden Winternacht augenscheinlich absichtlich in den Stausee gefahren sei. Da in ihrer Küche ein Abschiedsbrief gefunden wurde, wird ein Suizidversuch angenommen. Kath ist geschockt. Sie kann sich einfach nicht vorstellen, ihrer Familie das antun zu können. In der folgenden Zeit fühlt sie sich zunehmend beobachtet und verfolgt. Als dann auch noch ihre sinnesscharfe Tochter von einem Mann berichtet, der aussieht wie Adam und sie heimlich beobachtet, versucht sie den Unfalltag penibel zu recherchieren. Zunächst glaubt sie tatsächlich, ihr Mann würde sie stalken. Doch dann tauchen nicht nur Erinnerungsfetzen des Unfallablaufs auf, sondern auch ein ihr unbekannter naher Verwandter, der nichts anderes möchte, wie die Familie auszulöschen.

Klappenbroschur, Knaur TB
400 S., 14,99 €
ISBN: 978-3-426-52248-6

S.K. Tremayne ist ein englischer Bestsellerautor und preisgekrönter Reisejournalist, der regelmäßig für internationale Zeitungen und Magazine schreibt. Er wurde in Devon geboren und lebt heute mit seinen beiden Töchtern in London.