Wolf Sernos lebendige Sprache und sein detailliertes Wissen über zeitgenössische Bräuche und Sitten lassen auch dieses Buch zum Hochgenuss werden.

Es ist das Jahr 1576 in Bologna. Pater Matteo, 54 Jahre alt, war in seinem vorherigen Leben Arzt. Er war verheiratet und hatte Kinder. Doch binnen kürzester Zeit nahm das Zeerfieber hm Frau und Kinder. Deshalb entschloss er sich, Priester zu werden. Ihm wurde eine ärmliche Gemeinde in Bologna zugewiesen, die er nun seit vielen Jahren betreut. Da, wegen der Armut seiner Schäfchen, die Kollekte eher mager ausfällt und Rom lieber die dicken Bäuche des Klerus füllt, hat Pater Matteo so seine eigenen unorthodoxen Methoden gefunden, um über die Runden zu kommen. Im Laufe des Jahres 1576 erleichtern sich sieben Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und beichten ihm Todsünden. Und Matteo weiß bei allen Bußen, die er ihnen auferlegt, einen Nutzen für die Gemeinde und die Kirche zu ziehen. Der Erste, Sohn eines reichen Fabrikanten, hat die Gauklerstochter geschwängert und ihr die Hochzeit versprochen. Doch er bricht sein Versprechen und heiratet eine Andere. Matteo überführt ihn des Hochmuts. Den Zweiten, der mit einer klaffenden Kopfwunde in seine Kirche gelangt, versorgt er zunächst aufwendig. Es stellt sich jedoch heraus, dass er ein durch und durch von Geiz geprägter Mensch ist, der seinen Verletzungen erliegt. Matteo teilt seinen Geldbeutel zwischen der Kirche und den Armen. Den Dritten, einen jungen Kastraten, der gegen seinen Willen und wegen seiner schönen Stimme, entmannt wurde, überführt er der Wollust. Er nimmt ihn bei sich auf und lässt ihn zur Buße in der Kirche arbeiten. Die vierte Todsünde betrifft ihn selbst. Seit Monaten plagen ihn heftige Schmerzen in den Knien, die seinen Zorn entfachen. Er hat auch eine junge Frau bei sich aufgenommen, die nach einer Abtreibung von ihrem Vater verstoßen wurde. Doch Matteo hat sich in sie verliebt und das treibt seinen Zorn auf die Spitze. Der fünfte Beichtwillige ist ein junger Mann, der sich während des Karnevals bei einem wüsten Völlereigelage in die Tochter eines reichen Antiquitätenhändlers verliebt. Matteo gelingt es, den Vater zu überreden, der Hochzeit zuzustimmen – dadurch werden wichtige Renovierungsarbeiten in der Kirche getätigt. Der Sechste ist ein besonders hartnäckiger Kandidat. Er ist der Sohn eines reichen Unternehmers, der seit seiner Kindheit mit dem Sohn eines ärmlichen Angestellten konkurriert und dabei immer den Kürzeren zog. Aus Neid brachte er ihn und seine Sippschaft um. Mit der Buße der siebten Todsünde, der Faulheit, gelingt es Matteo endlich, seiner altersschwachen Kirche und dem entsprechenden Wohnhaus, dringende Renovierungen zu gewährleisten. Ganz schön katholisch und gerissen, der Herr Pfarrer.

Taschenbuch, Knaur TB
480 S., 10,99 €
ISBN: 978-3-426-51721-5

Wolf Serno arbeitete 30 Jahre als Texter und Creative Director in der Werbung. Mit seinem Debüt-Roman “Der Wanderchirurg” – dem ersten der fesselnden Saga um Vitus von Campodios – gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem viele weitere folgten, unter anderem: “Der Balsamträger”, “Hexenkammer”, “Der Puppenkönig” sowie “Das Spiel des Puppenkönigs”, “Die Medica von Bologna”, “Das Lied der Klagefrau” und “Der Medicus von Heidelberg”.
Wolf Serno, der zu seinen Hobbys “viel lesen, weit reisen, gut essen” zählt, lebt mit seiner Frau und seinen Hunden in Hamburg.